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Das Schweigen der Riesen von Walter-Jörg Langbein |
Das vielleicht einsamste Fleckchen unseres Planeten ist die Osterinsel. 3 600 Kilometer Salzwasserwüste trennen sie von der Küste Chiles, 3 200 von der Perus und 6 200 Kilometer vom Neuseelandstrand. Zu einem Weltwunder der archäologischen Art machen gigantische Steinstatuen das Eiland, wahrhaft riesenhafte Figuren, vereinzelt mehr als zwanzig Meter hoch.
Seit Jahrhunderten versuchen Wissenschaftler wie Laien das Geheimnis der Osterinsel zu ergründen. Warum hat da auf dieser Einöde in den Weiten der Südsee ein rätselhaftes Volk Riesenstatuen errichtet? Aus wissenschaftlich erlauchtem Munde kamen teilweise Antworten, die alles andere als ernst genommen werden können.
Wer wie der Autor die Osterinsel besucht hat, kann über die stoisch ins Nichts blickenden Kolosse nur staunen. Manche Wissenschaftler sehen oft das Rätselhafte gar nicht. Wilhelm Ziehr beispielsweise wundert sich darüber, wie man sich über die Osterinselriesen wundern kann. Trocken stellt er fest: "Die Existenz monumentaler Steinplastiken auf der Osterinsel ist keineswegs so rätselhaft, wie oft behauptet wurde. Da Holz auf der Insel außerordentlich knapp war, bot sich das hingegen reichlich vorhandene Tuffgestein an." Mit anderen Worten: Die Osterinsulaner verspürten einen sehr starken künstlerischen Drang. Sie griffen zum Stein, weil Holz extrem selten war.
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© Walter-Jörg Langbein |
Wie aber war es möglich, die Steinkolosse zu transportieren? Da sieht Thor Heyerdahl wiederum keinerlei Problem. Seinen Untersuchungen zufolge gab es einst auf der Osterinsel Holz in unvorstellbaren Mengen. Das ganze Eiland war von einem Urwald überzogen. Dieses Holz wurde dann, so Heyerdahl, etwa in Form von Rollen zum Transport der Kolosse benutzt.
Der Widerspruch ist eklatant. Wurden die Riesenfiguren nun gebaut weil den Künstlern kein Holz zur Verfügung stand? Oder konnten die Riesenplastiken so leicht transportiert werden, weil Holz in Hülle und Fülle zur Verfügung stand? Der Widerspruch läßt sich nur mit unsinnigen Annahmen aus der Welt schaffen. Etwa so: Erst war die Insel kahl und leer, Holz gab es kaum. Deshalb griffen die Künstler in ihrem Drang, sich gestalterisch zu verwirklichen, zum Stein. Wie sie die Kolosse befördern würden, darüber machten sich die weltfremden Künstler keine Gedanken. Kaum waren die Kunstwerke aber fertig, wurde das Eiland aus unerfindlichen Gründen von einem wahren Urwald überzogen. Jetzt wußten die Steinmetze plötzlich, wie ihre Werke transportiert werden konnten: mit Hilfe von Holzrollen zum Beispiel.
Gerhard Gadow löste das Problem auf seine Art. In seinem Pamphlet "Erinnerungen an die Wirklichkeit" schreibt er die Statuen einfach klein. Er behauptet, Erich von Däniken habe die Größe der Steinstatuen in "Erinnerungen an die Zukunft" maßlos übertrieben. Durchschnittlich, so Gadow "erhoben sich die Steinkolosse fünf Meter über dem Erdboden, bis sie in den letzten Jahrhunderten von den Eingeborenen umgestürzt wurden". Nur eine einzige von mehreren hundert Statuen überrage mit einer Höhe von zwölf Metern geringfügig die Zehn-Meter-Grenze. Das ist auf Seiten Gerhard Gadows reines Wunschdenken und völlig falsch. So stellt Fritz Felbermayer, einer der führenden Osterinselexperten, fest: "Einige Statuen sind nur wenige Meter hoch, andere ragen bis zu zwanzig Meter empor."
Der frühe Weltreisende und Forscherautor Ernst von
Hesse-Wartegg schrieb kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs in seinem
zweibändigen Werk "Die Wunder der Welt", daß die schweigenden Riesen
von "unbekannten Schöpfern" gemeißelt wurden und
"wahrscheinlich zu den ältesten Skulpturen der Menschheit" gezählt
werden müßten. Wann mögen die Kolosse entstanden sein?
Helfen uns die überlieferten Mythen weiter?
Die Schöpfer der Statuen und ein Massenmord
Irgendwann einmal tauchten auf der Osterinsel die Orejones, "Langohren", auf. Woher sie kamen? Niemand weiß das zu sagen. Die Neuankömmlinge waren ein friedliches Völkchen. Sie stellten keine großen Ansprüche. So ließen sie sich bestimmte Regionen der Insel zur Besiedelung zuweisen und störten sich nicht daran, daß die alteingesessenen Kurzohren für sich das fruchtbarere Land beanspruchten.
Die Langohren werkelten heimlich im Steinbruch des mächtigen Vulkankraters. Sie stellten die Riesen her. Sie beförderten die fertigen Statuen oft über viele Kilometer querfeldein. Sie richteten die teilweise mehr als zwanzig Meter hohen Kolossalstatuen auf und wuchteten ihnen steinerne "Helme" auf die Köpfe. Sie arbeiteten schwer und ließen sich dabei nie beobachten. Es war, als wollten sie auf alle Fälle verhindern, daß ihre Geheimnisse gelüftet würden.
Nach und nach kamen sich Kurz- und Langohren näher. Mischehen
wurden eingegangen, aber das Geheimnis der Statuen verrieten die Langohren auch
ihren engsten Kurzohr-Verwandten nicht. Und über Nacht waren sie auf einmal
verschwunden. In der mündlich überlieferten Historie heißt es lapidar:
"Nach dieser Nacht hörte man nichts mehr von ihnen, von den Meistern,
welche die Statuen geschaffen hatten. Niemand kennt ihr Ende."
Zurück blieben die hohen Figuren, welche die unwissenden Kurzohren
höhnisch-arrogant anzustarren schienen. Zurück blieben Kinder, die von
Langohrmännern gezeugt und von Kurzohrfrauen geboren worden waren. Zwischen
beiden Gruppen kam es immer wieder zu Querelen, nie aber zu handfesten
Auseinandersetzungen. Der Konflikt schwelte im Verborgenen, drohte jederzeit
offen auszubrechen. Eines Tages geschah das irgendwie Unvermeidliche. Ein
Langohren-Nachkomme war auf Kurzohrenland gestorben. Seine Anverwandten baten
nun darum, den Toten nach alter Väter Sitte dort auch bestatten zu dürfen. Sie
wollten ein großes steinernes Monument errichten. Ihr Antrag wurde abgelehnt.
Barsch wies man sie zurecht. Sie sollten den Toten gefälligst auf eigenem Grund
und Boden, am besten in einer der unterirdischen Höhlen, zur letzten Ruhe
legen.
Die Nachkommen der Langohren waren zutiefst beleidigt. Man
behinderte sie in der Ausübung ihres Glaubens. Das Maß war voll, man wollte
nun endlich die Kurzohren in ihre Schranken weisen. Es wurde ein Massaker
geplant. Am Berg Poike wurde ein fünfhundert Meter langer Graben ausgehoben und
mit Bergen von trockenem Holz gefüllt. In diese Falle sollten die verhaßten
Feinde getrieben und bei lebendigem Leibe verbrannt werden.
Dieser mörderische Plan wurde als strikte Geheimsache behandelt. Trotzdem
erfuhren die Kurzohren vom geplanten Überfall. Ein Langohr-Nachfahre namens Toi
war nämlich als Wächter für den Graben auserkoren worden. Der war mit einer
Kurzohrfrau verheiratet und so erfuhren die Kurzohren, welch schreckliche Gefahr
ihnen drohte. Kurzentschlossen entschieden sie: Der Spieß wird umgedreht! Die
Kurzohren griffen ihrerseits nun die Langohren-Nachkommen an. "Dann
rückten sie lautlos zwischen den Felsen an, einer hinter dem anderen."
Entsetzt taumelten die Angegriffenen aus ihren Hütten. Nicht wenige wurden
sofort erschlagen. Ihre Leiber wurden in den Graben geworfen, in welchem den
Kurzohren ein höllisches Inferno bereitet werden sollte. In Scharen wurden die
Langohren-Nachfahren in den Graben getrieben - und das Holz wurde angezündet.
So kamen die Nachfahren der Erbauer der Osterinselriesen ums Leben. Sie nahmen
das Geheimnis des Statuenbaus mit ins Grab.
Versuch einer Datierung
Spuren des grausigen "Scheiterhaufens" müßten doch auch heute noch zu finden sein, wenn denn die Überlieferung Tatsachen festhält und keine Schauermärchen. Tatsächlich hat Dr. Carlyle S. Smith bei Ausgrabungen im Jahre 1955 den Graben des Todes entdeckt. Er erstreckte sich zwei Kilometer lang von Potu-Te-Rangi bis Mahatua.
Für die Osterinsulaner bedeutete die Entdeckung des Grabens die Bestätigung, daß ihre altehrwürdigen Überlieferungen historisch korrekt sind. Das wollten selbst seriöse Osterinselforscher wie etwa die Engländerin Katherine Routledge nicht wahrhaben. Sie erklärten den Graben zu einem "Naturphänomen" und bestritten, daß er künstlich ausgehoben wurde. Das aber ergaben die Ausgrabungen durch Dr. Carlyle S. Smith: Es handelt sich um einen künstlich geschaffenen Graben, in welchem es - so steht es im wissenschaftlichen Schlußbericht - "intensive burning", also "heftiges Feuer" gab.
Damit war wieder einmal der Beweis für die Korrektheit der mündlichen Osterinselüberlieferungen bestätigt. Ließ sich aber auch feststellen, wann die Langohrennachkommen den Feuertod erlitten haben? Mit Sicherheit läßt sich das nicht feststellen. Denn einmal hat es in gar nicht so ferner Vergangenheit im Graben gebrannt - etwa 1680 n. Chr. Es hat aber bereits 386, also rund
1 300 Jahre früher, ein Feuer gegeben. Nicht auszuschließen ist, daß es noch früher einen weiteren Brand gegeben hat.
Wann der höllische Brand den Nachfahren der Langohren zum Verhängnis wurde, ist gar nicht so sehr entscheidend, wenn es um die Frage geht, wann denn die Statuen gebaut und errichtet wurden.
Denn es gibt keinerlei Hinweis darauf, wie viel Zeit vom Verschwinden der Statuenbauer von der Insel bis zum Massenmord an ihren Nachkommen verstrich. Waren es Jahrzehnte oder Jahrhunderte? Oder gar Jahrtausende?
Lange galten konservative Zahlen als gültig. Demnach entstanden die Statuen etwa im Mittelalter bis in die Neuzeit. Freilich stellte inzwischen der Archäologieexperte, Buchautor und Journalist Frank Joseph fest, daß diese Annahme völlig falsch ist. De facto wurde die Arbeit an den Kolossen - so Frank Joseph - vor mindestens zweitausend Jahren beendet! Diese Erkenntnis, von Frank Joseph im seriösen Fachblatt "Ancient American - Archaeology of the Americas before Columbus" publik gemacht, hätte einschlagen müssen wie eine Bombe. Sie wird aber bis heute weitestgehend ignoriert.
Dabei fügen sich doch die vorliegenden Resultate bestens wie verschiedene Steinchen in ein klares Mosaik: Vor etwa zwei Jahrtausenden verließen die Langohren die Osterinsel. Wohin gingen sie? Vermutlich nach Südamerika! 386 n. Chr. wurden die Nachfahren der Langohren ermordet. Was aber wurde aus den Langohren selbst? Ihre Spur verläuft sich im Nirgendwo. Der Überlieferung nach ließen sie die Steinkolosse vom "Nabel der Welt", also vom Vulkankrater, an den jeweiligen Bestimmungsort schweben - durch die Luft.
Der steinerne Riese von Guatemala
Wohin sie auch von der Osterinsel aus gezogen sein mögen, vermutlich haben sie auch in der neuen Heimat wiederum Statuen gebaut. Und tatsächlich: Auf der "Los Encuentros-Plantage", San Felipe, Department Retalhuleu in Guatemala wurde ein Steinmonument a la Osterinselriese gefunden. Es ist etwa acht Meter hoch. Sein Durchmesser an der Basis beträgt etwa vier Meter.
Da starrt ein riesenhaftes Gesicht in den Himmel. Die Züge, speziell um die verkniffenen Mundwinkel, wirken anmaßend und arrogant. Die Ähnlichkeit mit Osterinselriesen ist unverkennbar. Eine genauere Untersuchung vor Ort wäre dringendst anzuraten. Die Chancen dafür stehen aber leider mehr als schlecht! Dr. Oscar Rafael Padilla Lara aus Guatemala, der zeitweise in Florida lebt, hat keine erfreulichen Informationen zu bieten: Jenes Fleckchen Urwalderde, wo der mysteriöse Steinkopf steht, wird von rivalisierenden Rebellenbanden umkämpft. Wer da auch gegen wen kämpft, hat ganz offensichtlich kein Interesse für archäologische Forschungen. Der geheimnisvolle Steinkopf wird für Schießübungen mißbraucht und ist, wie mir Dr. Oscar Rafael Padilla Lara deprimiert mitteilte, erheblich beschädigt, ja inzwischen weitestgehend zerstört worden.
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© Walter-Jörg Langbein |
Einheimische Indios freilich suchen unter Todesgefahr das steinerne Haupt, oder was davon übriggeblieben ist, auf. Für sie ist es nach wie vor ein Heiligtum, eine Gottheit, der man Opfergaben darbietet. Der steinerne Riese von Guatemala schweigt wie seine Brüder auf der Osterinsel. Dabei gibt es noch so viele spannende Fragen, die beantwortet werden müssen!
Noch so manche Frage gilt es zu beantworten: Ist das Riesenhaupt von Guatemala ein Unikat? Oder warten im Dickicht des Urwaldes noch weitere ähnliche Figuren? Wurden sie von den legendären Langohren erschaffen, die von der Osterinsel spurlos verschwanden? Und wann?
Woher kamen die Langohren?
Die Langohren tauchten urplötzlich aus dem Nichts auf. Woher kamen sie? Der französische Forscher Terrien de Lacouperie trug Ende des 19. Jahrhunderts eine These vor, die phantastisch anmutete. Der Wissenschaftler hatte nämlich eine Ähnlichkeit zwischen der bis heute nicht entzifferten Osterinselschrift und jener, die im Süden Indiens weit verbreitet war, entdeckt. Jahrzehntelang sprach niemand mehr über diese Vermutung. 1928 erklärte der tschechische Ethnograph und Schriftkenner C. Loukotka: Im Industal wurde, lange bevor dort die Arier einwanderten, Schriftzeichen benutzt, die denen der Osterinsel stark ähnelten.
Der ungarische Forscher W. von Hevesey kam zur gleichen Überzeugung. Er aber wollte konkrete Zahlen vorlegen. Nach Jahren des Forschens hielt er 1932 einen vielbeachteten Vortrag an der "Academie Francaise" und legte dar, daß einhundert Schriftzeichen beider Systeme "vollkommen übereinstimmen". Seine Ausführungen stießen auf Skepsis. Von Hevesey ließ sich nicht beirren und arbeitete weiter. Schließlich kam er zum Endergebnis, daß beide Schriftsysteme etwa vierhundert verschiedene Zeichen benützen. 175 davon wurden sowohl in Indien als auch auf der Osterinsel benutzt.
Auch die Fachwelt anerkannte diese frappanten Übereinstimmungen. Aber selbst wenn die Osterinselschrift wie die Statuen rund zwei Jahrtausende alt sind.....die indischen Schriftzeichen entstanden nochmals zwei Jahrtausende früher. Und rund 13 000 Kilometer von der Osterinsel entfernt. Gibt es eine Erklärung? Grundsätzlich sind drei Antworten denkbar.
1.) Die Kultur Indiens und die der Osterinsel sind gleich alt und standen miteinander in Verbindung. Unsere heutigen Datierungen sind falsch.
2.) Beide Kulturen sind gleich alt, hatten aber keinen direkten Kontakt. Freilich gab es im Alten Indien wie auf der Osterinsel "fliegende Götter". Beide Kulturen wurden von den gleichen Außerirdischen besucht. Sie wurden von den gleichen himmlischen Lehrmeistern unterrichtet. Ursprünglich besaßen sie eine Schrift. Im Laufe der Geschichte entwickelten sie sich aber weiter, so daß sich Unterschiede ausbildeten.
3.) Beide Kulturen sind unterschiedlich alt und erhielten unabhängig voneinander zu unterschiedlichen Zeitepochen Besuch von Außerirdischen.
Das Geheimnis der "sprechenden Hölzer"
Wie auch immer: Des Rätsels Lösung ist mit großer Wahrscheinlichkeit in den altehrwürdigen Schrifttafeln der Osterinsel zu finden. Leider ist ein großer Teil dieser kostbaren Dokumente im 19. Jahrhundert vernichtet worden. Missionare hatten den Befehl gegeben, die alten Berichte ausfindig zu machen und zu verbrennen. Da die Kirchenmänner sehr großen Einfluß auf die Bevölkerung hatten, wurde diesem frevlerischen Befehl in starkem Maße Folge geleistet. Nur wenige Dutzend der "sprechenden Hölzer" überlebten die Vernichtungskampagne und sind heute in aller Welt in verschiedenen Museen und Sammlungen zu sehen.
Bis vor kurzem galten die wenigen noch erhaltenen Texte als "nicht übersetzbar". 1914 war der englischen Forscherin Katherine Routledge auf der Osterinsel dem letzten Schriftkundigen begegnet. Er vegetierte in einer Heilanstalt für Leprakranke dahin und versicherte, der letzte lebende Mensch zu sein, dem die Bedeutung der Symbole bekannt war. Der alte Mann weigerte sich aber standhaft, sein geheimes Wissen preiszugeben. Er beherrsche zwar die Kunst, die alten Schrifttafeln zu lesen, doch "das Mysterium muß Fremden vorenthalten bleiben", erklärte der Wissende auf dem Sterbebett.
Katherine Routledge notierte in ihrem Tagebuch: "Ich machte noch einen erfolglosen Versuch, verabschiedete mich und ging. Ein ungewöhnlich stiller Tag neigte sich dem Ende zu, alles an diesem abgeschiedenen Ort war vollkommen ruhig. Vorn erstreckte sich wie Glas das Meer und die Sonne neigte sich wie ein Feuerball dem Horizont zu. In der Nähe jedoch lag der langsam sterbende Greis, dessen müdes Hirn die letzten Reste einstmals hochgeschätzten Wissens bewahrte. Zwei Wochen später war er gestorben."
So riesengroß die steinernen Wahrzeichen der Osterinsel sind, so schweigsam sind sie auch. Und lange Zeit sah es ganz so aus, als ob die schriftlichen Überlieferungen nie wieder zum Sprechen gebracht werden könnten. Einst soll es nämlich tausende "sprechende Hölzer" gegeben haben, auf denen in mysteriösen Symbolen die Geheimnisse der Vergangenheit jener rätselhaften Insel festgehalten worden sind. Noch 1864 sah der Missionar Eyraud viele solche Holztäfelchen, die über und über mit Hieroglyphen bedeckt waren. Bischof Jaussen hörte davon, erteilte den Befehl, diese wertvollen Aufzeichnungen der Wissenden seien sofort einzusammeln. Die Einheimischen begegneten diesem Ansinnen mit Skepsis, zu schlechte Erfahrungen hatten sie mit fremden Besuchern gemacht.
1862 brachen sechs peruanische Schiffe auf. Sklavenjäger, zunächst freundlich begrüßt, nahmen fast die gesamte männliche Bevölkerung gefangen, verschleppten die Männer auf die Chincha-Inseln, wo sie als Sklaven eingesetzt wurden. Dagegen protestierte Tepano Jaussen, Bischof von Tahiti, die Regierung von England schloß sich an. Resultat: Die Sklavenjäger mußten ihre Opfer wieder auf die Osterinsel zurückbringen - die meisten waren freilich schon an Krankheiten gestorben. Von mehreren tausend Gefangenen waren nur noch "etwa einhundert" am Leben. Und die brachten die Pocken auf die Osterinsel, wo sich eine tödliche Epidemie ausbreitete. Ihr fiel der Großteil der Bevölkerung zum Opfer.
Sollten sich damit die Geheimnisse der Osterinsel für immer und ewig einer Erklärung entziehen?
Weiterführende Literatur zum Thema:
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Coverfoto: "Die großen Rätsel der letzten 2500 Jahre", Heyne-Taschenbuch von Walter-Jörg Langbein |
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