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Kinder der SterneEin afrikanischer Mythosvon Nicolas Benzin
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Bei dem Bantu-Mythos "Kinder der Sterne" [3] handelt es sich um eine der sog. verbotenen Geschichten. Der Inhalt ähnelt weltweit verbreiteten Motiven über eine erste Zivilisation oder eine erste Generation von Menschen, die von den Göttern gleich nach ihrer Erschaffung oder nach einer Fehlentwicklung wieder vernichtet worden ist. Zumindest aber wurden die Betroffenen durch die Götter in ihren Fähigkeiten stark eingeschränkt.
Bekannt sind die alttestamentlichen Überlieferungen von Adam und Eva, die vom Baum der Erkenntnis gegessen hatten und dadurch der Schöpfergottheit noch ähnlicher geworden waren. Die beiden ersten Menschen wurden aus dem Garten Eden vertrieben, damit sie nicht auch noch vom Baum des Lebens essen würden. Und so kam es, daß die Menschen sterblich wurden. [2, 1. Mose 3] Später dann versuchten Menschen beim Turmbau zu Babel dem Himmel nahe zu kommen. Dies wurde sogleich durch die babylonische Sprachverwirrung und die Verstreuung der Menschen in alle Himmelsrichtungen verhindert. Denn: Wenn die Menschen diese Bauleistung vollbracht hätten, wäre ihnen kaum etwas unmöglich geblieben. [2, 1. Mose 11]
In Mittelamerika wurde der heutige Mensch erst nach mehreren Versuchen durch die Götter so geschaffen, wie sie ihn haben wollten. Das Popol Vuh der Quiché-Maya berichtet, wie die ersten Geschöpfe gleich nach ihrer Erschaffung wieder vernichtet wurden. [1] Und der Jetzt-Mensch wurde in seinen Fähigkeiten eingeschränkt: Ursprünglich mit der Gabe der "Fernsicht" ausgestattet, reduzierten die Götter die Sehkraft des Menschen auf das heutige Maß.
In dem Mythos "Kinder der Sterne" geht es nun um ganz ähnliche Motive.
"Die Kinder der Sterne lebten einst in einem heiligen Tal nahe dem Nyasa-Land. Das Tal wurde von der Großen Mutter Ma durch Muotamkulo, das große Feuer, und durch Seuchen zerstört."
Der Name "Kinder der Sterne" läßt vielfältige Interpretationen zu. Handelt es sich um Besucher von einem anderen Planeten, die aus dem Weltall auf die Erde gekommen sind? Oder waren sie deren Nachkommen?
In der Paläo-SETI-Forschung sind zahlreiche Fälle bekannt, in denen Götter bestimmte Menschengruppen mit modern wirkenden Waffen bekämpft oder ausgerottet haben. Unter anderem wird auch der Einsatz von atomaren Waffen für möglich gehalten, so zum Beispiel bei der Vernichtung von Sodom und Gomorra, in Episoden des sumerisch-babylonischen Gilgamesch-Epos und in altindischen Überlieferungen (der Paläo-SETI-Forscher Lutz Gentes interpretiert letztere jedoch im Sinne konventioneller moderner Waffen). Wenn man bei Muotamkulo, dem großen Feuer, in dessen Gefolge Seuchen auftraten, die These einer atomaren Waffe auch nicht bestätigen kann, so muß sie doch stark genug gewesen sein, um eine ganze Kultur in einem begrenzten Gebiet zu vernichten. Der Anthropologe Jan Knappert weist darauf hin, daß der in dem besagten Gebiet liegende Nyanza-See "See des fallenden Sternes" genannt wird. Hier an ein Naturereignis zu denken (Meteoriteneinschlag), mag zunächst in den Bereich des Möglichen rücken. Doch die erste Göttin Ma hatte für ihre Tat offensichtlich einen Grund.
"Die Sternenkinder hatten sich zu Vollkommenheit entwickelt. Sie kannten weder Haß noch Angst oder Verlangen noch Lust oder Krankheit. So wurden sie vollkommener selbst als Ma, >die erste Göttin<. Eine Kultur, die ihre absolute Vervollkommnung erreicht, verliert automatisch ihre Funktion, berichten die Bantu. In den Augen des großen Geistes gibt es im Universum keinen Raum für absolute menschliche Vollkommenheit. Auch hatten die Kinder der Sterne, die große Magier waren, nach jenen Dingen geforscht, nach denen der Mensch nicht forschen sollte."
Die Kinder der Sterne erschufen verschiedene künstliche Tiere, darunter auch die Giraffe. Bei der von Ma ausgelösten Katastrophe kamen die meisten der künstlichen Tiere um, doch die Giraffe überlebte und fügte sich in die natürliche Umwelt ein. Mythen-Forscher Jan Knappert zieht Vergleiche zu sumerischen Mythen, in denen von der Erschaffung künstlicher Sklaven im "Untergeschoß der Erde" berichtet wird. Diese Sklaven entstanden durch Manipulationen am Blut. Die mesopotamischen Mythen, interpretiert auf der Grundlage der Paläo-SETI-Hypothese, sind überwiegend durch die Bücher des Autors Zecharia Sitchin bekannt geworden. Bei den Beschreibungen hier wie dort liegt es nicht fern, an eine gezielte künstliche Genmanipulation zur Erschaffung von Mensch und Tier zu denken. Ein Gedanke, der von den Vertreterinnen und Vertretern der Paläo-SETI-Hypothese seit mehreren Jahrzehnten diskutiert wird.
"Manche großen, runden Steine erinnern an die Sternenkinder. Sie tragen Schriftzeichen jener ersten Sprache, aus der alle Stammessprachen hervorgingen. Eingeweihte können diese Schriftzeichen noch heute lesen. Wie etwa jene auf einem Stein, der sich am Eingang einer Höhle befinden soll. Sie führt zum unterirdischen Lulungwa-Mangakatsi-Fluß, der nordwärts in den großen Nyanza-See fließt. Die Inschrift besagt: >Zukünftige Generationen, wir warnen euch. Hinter diesem runden Felsen verbirgt sich ein teuflisches Geheimnis. Wir, die beiden letzten Überlebenden der Kinder der Sterne, ein Mann und eine Frau, warnen euch. Wir, die wir morgen sterben werden, warnen euch alle.<"
In der Nähe des Nyanza-Sees in Afrika sollen sich also noch gefährliche Hinterlassenschaften der Kultur der Kinder der Sterne befinden. Ob diese eines Tages noch aufgefunden werden können oder ob sie für immer verborgen bleiben werden, muß sich zeigen. Trotz aller Verbote wird sich der menschliche Forschungsdrang nicht bremsen lassen. Und gerade dies war immer wieder der Auslöser für Vernichtungsaktionen der extraterrestrischen "Götter". Neben den ebenfalls weltweit verbreiteten Aspekt der Götter als Kulturbringer tritt hier also ein weiteres Mal das Motiv eines großen Strafgerichts bei Nichteinhaltung bestimmter Normen und Verhaltensregeln.
Literatur:
[1] Cordan, Wolfgang (1962)
Popol Vuh - Das Buch des Rates: Mythos und Geschichte der Maya, 5. Aufl., Köln: Diederichs, 1987 [S. 29-37]
[2] Das Alte Testament (1955), Zürich: Verlag der Zürcher Bibel, 1987
[3] Knappert, Jan (1990)
Lexikon der afrikanischen Mythologie, München: Heyne, 1995 [S. 169-170]
<Quelle vermutlich: Credo Vusamazulu Mutwa: `Indaba my children´, London: Kahn and Avrill, 1985>
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