Die Vertreter der Paläo-SETI-These:
Ein Interview mit Walter Closs
(1901 -1999)
von Nicolas Benzin
Kürzlich verstarb im Alter von fast 100 Jahren der Schriftsteller Walter Closs. Seine letzten Lebensjahre verbrachte der bis ins hohe Alter aktive Forscher in Fürth bei Nürnberg.
Die Fragen beruhen auf einem von mir im Rahmen meiner Studie über die Entwicklung des Weltbildes von Vertreterinnen und Vertretern der Paläo-SETI-Hypothese (1995/1996) erstellten Fragebogen. Die bisher unveröffentlichten Antworten teilte mir Walter Closs am 14.09.95 in einem Brief mit.
NB: Nennen Sie uns bitte Ihren Geburtstag.
WC: Es ist der 12.10.1901 .
NB: Verraten Sie uns etwas über Ihren Schulabschluß und den beruflichen Werdegang?
WC: Oberrealschule - Abitur, Diplom-Ingenieur in Maschinenbau, heute Rentner.
NB: Wie wurden Sie auf die Paläo-SETI-Hypothese (PSH) aufmerksam? Standen Sie dem zunächst kritisch gegenüber oder fanden Sie dies sofort überzeugend bzw. stehen Sie den Aussagen der Prä-Astronautik (PA) noch heute kritisch gegenüber?
WC: In den 30er Jahren fiel mir auf einer Abbildung eine Wirbeldarstellung unter einem Bogen am Fuße eines schottischen Kultkreuzes auf. Ich konnte keine andere Erklärung finden als die: Diese muß einen Spiralnebel darstellen. Die anfänglich völlig sinnlos erscheinende Behauptung wurde Jahre später bestätigt durch eine Stelle in Karl Simrocks Handbuch der deutschen Mythologie, und letztendlich unwiderlegbar durch den Aufsatz "The Yin Yang Symbol" von Erwin Burckhardt. Da das Wissen um Spiralnebel in China um 1000 v. Chr. Bekannt war, mußte es schon früher eine Hochkultur gegeben haben, die derartig tiefgründige Erkenntnisse ermöglichte.
Von der Theorie, daß Außerirdische auf die Erde gekommen seien, erfuhr ich durch Erich von Dänikens Erinnerungen an die Zukunft, war aber längere Zeit von seinen Argumenten nicht überzeugt. Als ich dann von der Entdeckung Zecharia Sitchins einer Darstellung des vollständigen Planetensystems bei den Sumerern (2000 v. Chr.) und davon, daß im chinesischen I-Ching der Genetische Code dargestellt ist, erfuhr, war jeder Zweifel behoben. Es muß also eine vorgeschichtliche Hochkultur gegeben haben, auch wenn die zünftigen Vorgeschichtler das abstreiten. Da sich auf der Erde angeblich keine Spuren davon finden - die Ruinen von Tiahuanaco gelten, trotz der nicht nachahmbaren Bauweise, dem Kalender auf dem Sonnentor und den versteinerten Schädeln nicht als solche - muß sie anderswo geblüht haben.
Als ich aus dem großartigen Buch Enträtselte Vorzeit von Karl F. Kohlenberg erfuhr, daß in China mit der größten Selbstverständlichkeit davon berichtet wird, daß Himmelsbewohner auf die Erde gekommen seien, wurde mir klar, wo die Kulturbringer herkamen, denn in der Vorzeit verstand man unter Himmel einen Vorzeitmond. Die Ansichten Hans Hörbigers über den Absturz dieses Vorzeitmondes fand ich voll bestätigt in der Völuspa der Edda und im finnischen Kalewala.
Bei meinem Buch [Sie kamen vom Mond] handelt es sich demnach um keine neue Theorie, sondern um die Wiedergabe dessen, was sich aus den Überlieferungen der Völker und allen ältesten Büchern ergibt.
NB: Inwieweit hat sich ihr Weltbild unter dem Einfluß der PSH verändert?
WC: Es zeigt sich, daß die biblische Schöpfungsgeschichte sehr grob und plump ist, und daß Außerirdische (sog. "Götter") durch Genmanipulation aus einer Vormenschenrasse den Homo sapiens geschaffen haben. Das ändert aber nichts daran, daß die gesamte Schöpfung, mit der Fähigkeit zur Evolution, ein Werk des Weltgeistes (Gottes) ist - "Das All ist nur Gottes Schale".
NB: Welcher Religionsgemeinschaft gehören oder gehörten Sie an? Hat sich die Beziehung zu dieser Gemeinschaft durch die PSH verändert?
WC: Der evangelisch-lutherischen Kirche. Ich betrachte alles von der Vorstellung des Weltgeistes aus und setze mich darüber hinweg, daß die Pfarrer sagen: "Und Gott sprach". Auch Erdbeben, Hurricanes, Lawinen, Überschwemmungen, Dürren u.a. gehören zu Gottes Schöpfung. Er ist nicht nur der "liebe Gott".
NB: Hat sich Ihre Weltanschauung im Laufe der Beschäftigung mit der PSH weiter gewandelt - wenn ja, durch welchen Autor? Sehen Sie die PSH selbst heute noch genauso wie am Anfang Ihrer Beschäftigung damit?
WC: Siehe Frage 3. Die Kenntnis vieler Mythen verdanke ich Karl F. Kohlenberg, meine Erkenntnisse sind immer sicherer geworden.
NB: Hatten Sie durch die PSH Probleme mit Verwandten, Freunden, Schule, Arbeitsplatz? Fühlten Sie sich unverstanden?
WC: Ich habe nicht versucht, diese Erkenntnisse Freunden und Verwandten aufzudrängen, und so ergaben sich auch keine Schwierigkeiten. Verstanden wurde ich allerdings nur von einem Freund, einer Leserin und Walter-Jörg Langbein.
NB: Glauben Sie durch die Beschäftigung mit der PSH mehr zu wissen als andere Menschen? Fühlen Sie sich unseren Wissenschaftlern überlegen?
WC: Natürlich weiß ich mehr als andere auf dem Gebiet der Vorgeschichte. Das Wissen der Wissenschaftler weist große Lücken auf.
NB: Nennen Sie zehn PSH-Autoren in der Reihenfolge in der für Sie relevanten Bekanntheitsabfolge.
WC: Über den Bekanntheitsgrad weiß ich leider so gut wie nichts. Däniken, Sitchin, Blumrich, Krassa, Charroux, Kohlenberg, Fiebag, Buttlar, Hausdorf, Langbein.
NB: Ist für Sie die PSH oder die Beschäftigung damit eine Wissenschaft, eine Forschung am Rande der Wissenschaft, ein Bereich der Esoterik, eine Ersatzreligion?
WC: Wenn richtig betrieben, unbedingt eine Wissenschaft.
NB: Wie stellen Sie sich die Zukunft der Paläo-SETI-Forschung vor?
WC: Übergang von phantasievollen Darstellungen zu nachweisbaren Tatsachen.
NB: Interessieren Sie sich auch für die UFO-Forschung? Ist die PSF für Sie ein Teil der UFO-Forschung oder eher ein selbständiger Forschungszweig? Beschäftigen Sie sich auch mit esoterischen Themen und alternativem Bewußtsein?
WC: Die PSF ist für mich ein selbständiger Forschungszweig. Die UFO-Forschung hat damit unmittelbar nichts zu tun. Mit esoterischen Themen habe ich mich nicht beschäftigt.
NB: Welchen Vereinen und Organisationen zu dieser Thematik gehören Sie an? Welche Zeitschriften haben Sie abonniert?
WC: Ich war jahrelang Mitglied der Ancient Astronaut Society und hatte die Mysteria abonniert.
NB: Sind Sie auf diesem Gebiet selbst als Autor tätig oder würden es gerne sein?
WC: Ich habe eine Reihe von Aufsätzen in der Mysteria veröffentlicht und 1992 das Buch Sie kamen vom Mond.
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