Der kulturgeschichtliche Faktor X und die Frage:
Wer wird vom Besucher-Phänomen betroffen?
von Nicolas Benzin
Einleitung
In der menschlichen Kulturgeschichte muß es einen Faktor X geben. Einen Auslöser für kulturübergreifende, zeitlose Erscheinungen.
In den letzten Jahren ist eine Randerscheinung der UFO-Problematik immer mehr in den Mittelpunkt gerückt: Der direkte Kontakt mit einer außerirdischen Intelligenz und die Entführung durch nichtmenschliche Wesen. Nahm man zunächst an, daß diese Entführungen eher zufälliger Art seien, so stellte sich später heraus, daß es sich offenbar um ganz gezielte Eingriffe in das Leben ganz bestimmter Menschen oder gar Familien handelt.
Forscherinnen und Forscher des Fachbereichs Paläo-SETI, mit historischen Kontakten zu außerirdischen Intelligenzen bestens vertraut, fanden bald Parallelen und gleichartige Motive zu den heutigen Berichten in religiösen Überlieferungen, Mythologien, antiken Kulten, dem Brauchtum der Völker und auch historischen Dokumenten. Stellvertretend seien hier genannt Praktiken des Schamanismus, Visionen von Propheten, kinderraubende Zwerge, der Hexenwahn, Nahtodeserlebnisse und der Seelenglaube.
Es gibt Gründe für die Annahme, daß hinter vielen Aspekten dieser kulturgeschichtlichen Erscheinungen der überwiegend ungewollte Kontakt zu einer außerirdischen Intelligenz steht. Dies ist natürlich auch nur eine Interpretation, so wie die Menschen vergangener Zeiten ihre jeweils eigene Interpretation für das Besucher-Phänomen hatten: Kontakte zu Gott und den Göttern, zu Engeln, Teufeln und Dämonen, zu Hilfs- und Schutzgeistern, Zwergen, Feen und den Seelen der Ahnen. Bescheiden müßten wir von einem Faktor X sprechen, aber die extraterrestrische Hypothese hat viele Vorteile: Die von der traditionellen Wissenschaft getrennt betrachteten Phänomene und Kulturen können in einem Gesamtzusammenhang untersucht werden, das Fremde und ganz andere wird für uns begreifbar, es liegt ein ernstzunehmender Ansatz zur Erklärung vor.
Im Folgenden seien einige Motive des Besucher-Phänomens herausgegriffen , die sowohl den heutigen als auch den historischen Berichten zueigen sind:
-die oft von Geburt an lebenslange Begleitung durch die fremden Wesen
-das besondere Berufungserlebnis/der Erstkontakt
-die Verwandlungsfähigkeit der Besucher, es sind geradezu Gestaltwandler
-in der Deckerinnerung an ein Entführungs- oder Kontakterlebnis tauchen oft Tiere auf
-nicht jeder ist vom Besucher-Phänomen betroffen (wobei dies noch nicht abschließend geklärt ist)
-Betroffene haben oft eine besondere Beziehung zu einem der fremden Wesen, im Ganzen handelt es sich jedoch um mehrere Entführer
-es kann auch eine ganze Familie über mehrere Generationen vom Besucher-Phänomen betroffen sein
-die Betroffenen werden an ihnen fremde Orte entrückt, aus ihrer gewohnten Umgebung entführt
-die fremden Wesen übermitteln mehr oder weniger sinnvolle Botschaften und Ratschläge
-als physikalischer Hinweis auf die Realität eines Kontaktes sind oft Narben oder besondere Merkmale an den Betroffenen feststellbar
-man scheint sich den Besuchern nicht entziehen zu können, sie folgen den Betroffenen auch bei Umzug über weite Entfernungen oder auch auf Urlaubsreisen
Soweit eine kleine, höchst unvollständige Auswahl der Motive.
Neben den oben bereits genannten kulturgeschichtlichen Entsprechungen zum Besucher-Phänomen möchte ich zwei weitere Spezialfälle in die Diskussion einführen und der Frage nachgehen, ob bestimmte Menschen bereits bei der Geburt für einen späteren Kontakt prädestiniert sind.
Vom Wesen der Fylgien
Die nordgermanische Mythologie kennt verschiedene "Geistwesen", die Fylgia oder Fylgur genannt werden (die Schreibweise differiert je nach Autor). Diese Wesen begleiten bestimmte Menschen (mannsfylgja [1] ) von Geburt an bis zum Lebensende. [2] Ihrer Tätigkeit entsprechend bedeutet der Name Fylgia soviel wie "Folgerin". Elard Hugo Meyer vergleicht in seiner Mythologie der Germanen diese persönlichen Begleiter, die dem Menschen auf all seinen Wegen folgen, mit dem Daimon und Heros in Griechenland sowie dem Genius in Rom für Männer und der Juno für Frauen. Aber auch das Motiv einer aufhockenden Mare gehört in diesen Zusammenhang. [3]
Die verschiedenen Interpretationen von 1835 bis heute sehen in den Fylgien Schutzgeister, Schutzengel, Schicksalsgottheiten, die eigene Seele, ein Seelendoppel, Dämonen, die gute oder schlechte Taten belohnen oder bestrafen. Jedes Zeitalter hat eben seine bestimmten Vorstellungsmuster, in denen sich die "erlaubten" Hypothesen bewegen dürfen.
Interpretiert man die Fylgien als Seele oder Seelendoppel, so muß natürlich jeder Mensch mit einer Fylgia oder einem Fylgur ausgestattet sein. Die einzelnen Religionswissenschaftler folgen hierin konsequent ihren Denkmodellen. Bei eingehender Betrachtung stellt sich aber heraus, daß die Fylgia etwas ganz Besonderes ist. So stellt Richard M. Meyer fest: "Nicht jeder besitzt eine Fylgja: sie ist ein individueller Vorzug." [4]
Dem einzelnen Menschen konnten auch mehrere Fylgien zugeordnet sein. [5] Manchmal verkehrten die Fylgien auch mit einer bestimmten Familie oder über mehrere Generationen mit einer Sippe. [6] Sprachforscher Jakob Grimm benennt diese Geschlechter-Fylgien mit kynfylgjor und aettarfylgjor und zieht eine Verbindung dieser Geister mit Elben und Zwergen in Betracht. [7] Das ist interessant, denn gerade Zwerge und Wichtel entführten Männer und Frauen sowie neugeborene Kinder in ihre Anderswelt. Mit Zeitverschiebungsphänomenen und seltsamen Erklärungen der Zwerge wie "sie wollten ihre kleine Art größer züchten", stehen diese Entführungsfälle aus den mitteleuropäischen Sagen dem modernen Besucher-Phänomen in nichts nach. [8] Die Fylgia des einzelnen konnte bereits zu Lebzeiten des ursprünglich (Ver)folgten auf ein anderes Familienmitglied übergehen oder kurz nach seinem Tode. So schützt in der nordischen Vatnsdaelasaga "die Hamingja eines Mannes auch schon dessen Söhne bei dessen Lebzeiten und >folgt< auch anderen Verwandten." [9] In diesem Fall handelt es sich um eine Fylgakona genannte Erscheinung. [10] Wenn ich an die Berufungserlebnisse der Schamanen denke, so fällt mir hierzu ein, daß diesen regelmäßig die sogenannte Schamanenkrankheit vorausgeht. In dieser Zeit versuchen die (Hilfs-)geister vom späteren Schamanen Besitz zu ergreifen. Dies zum Teil auch nach dem Tod von verwandten Schamanen, die ihre Geister weitergeben. Weigert sich ein Schamane, dem Ruf nachzukommen, dauert die Schamanenkrankheit um so länger an. In manchen Fällen kommt es auch zum Tod von Familienangehörigen solange der Betroffene die Geister nicht annimmt. So wie der Schamane später die Geister zu Hilfsgeistern macht, soll auch die Fylgia zu beeinflussen gewesen sein. [11] Ich denke, auch hier besteht ein Zusammenhang.
Betrachtet man die Fylgia als eine Einzelseele oder ein Seelendoppel, ist dies alles nur schwer denkbar. Wer aber eine Fylgia zugeordnet erhält, wird weiter unten geklärt.
Die Fylgien erschienen oder besuchten den Betroffenen oft im Traum, also während des Schlafes oder in Situationen, wenn er besonders zugänglich war, so zum Beispiel in Rauschzuständen. [12]
Die Fylgien sind Gestaltwandler. Mal erscheinen sie als Frauengestalt, ein anderes Mal als Duplikat der Betroffenen. Besonders beliebt waren auch Annäherungen in Gestalt von wilden Tieren oder Haustieren. Insbesondere seien hier Geißbock, Hengst, Wolf und Bär genannt. [13] Die Fylgia ist auch als hamingja bekannt. Dieser Ausdruck leitet sich von hamr ab und bedeutet "Hülle", "Gestalt". "Fylgja wird also die Seele genannt, weil sie dem Menschen, so lang er lebt, überallhin folgt, Hamingja ihrer vielgestaltigen Verwandlungsfähigkeit halber", so Prof. Wolfgang Golther im Jahr 1895. [14] Die ganze Erscheinungsweise der Fylgien erinnert somit an die Beschreibungen eines Screen-Memory (Deckerinnerung) des modernen Besucher-Phänomens.
Die Fylgia wird zum Teil auch als körperlich beschrieben: "Sie wird so persönlich vorgestellt, daß man über sie (wie über einen Schatten) stolpern kann. Auf Denksteinen wird sie abgebildet." [15] Leider hat der Autor dieser Worte in seinem wohl 1909 erschienenen Buch keine Abbildungen abdrucken lassen.
Die Benandanti
Von den 22 mir zur Zeit vorliegenden Einzeluntersuchungen zum Phänomen des Hexenwahns ist Carlo Ginzburgs Buch Die Benandanti: Feldkulte und Hexenwesen im 16. Und 17. Jahrhundert aus dem Jahr 1966 in Bezug auf unsere Thematik am aufschlußreichsten. Hier sei nur in aller Kürze das Wichtigste berichtet, zu einem späteren Zeitpunkt werde ich dem Problem " Benandanti" einen eigenen Beitrag folgen lassen.
Am 27.6.1580 gibt der Italiener Battista Moduco in einem Inquisitionsverhör zu Protokoll, daß er ein Benandante sei. Vier Mal im Jahr gehe er mit anderen des nachts kämpfen und zwar unsichtbar im Geiste. Der Körper bleibe dabei zurück. Die Benandanti würden dabei für Christus und die Stregoni (Hexer) für den Teufel kämpfen. Die Benandanti verwenden dabei laut Moduco Fenchelzweige und die Stregoni Hirsestengel. [16]
Der Kulturhistoriker Carlo Ginzburg interpretiert die Vorgänge als zu einem Feldkult gehörig. Ob die Betroffenen sich tatsächlich außerhalb ihrer Häuser in bestimmten Nächten trafen oder ob sich alles nur im Geiste abspielte, ist noch ungeklärt. Interessant ist jedenfalls, daß hier offensichtlich ein alter Volksglaube erhalten ist, der zunächst nicht von den damaligen gelehrten Vorstellungen beeinflußt wurde.
Die Untersuchungen der Inquisition zogen sich etwa über einen Zeitraum von 60 Jahren hin. Aussage um Aussage mehren sich auch die Motive, die mit dem modernen Besucher-Phänomen in Zusammenhang stehen könnten.
Zu dem Berufungserlebnis erklärt Battista Moduco im selben Verhör: "Es ist ein Mensch wie wir, der über uns alle gesetzt ist, und er schlägt die Trommel und so beruft er. Wir sind in großer Zahl, und bisweilen sind wir fünftausend und mehr... einige, die aus der Gegend sind, kennen sich, andere nicht." [17]
Nachdem ein anderer Gefangener berichtet hat, daß ihm eine Art Engel erschienen sei, gibt Moduco im Verhör vom 2.10.1580 unter dem Eindruck des Inquisitionsverfahrens an, daß es sich bei der Erscheinung wohl um Teufelswerk gehandelt habe, "denn der Herrgott schickt nicht die Engel, um die Geister aus den Körpern zu führen, sondern wohl eher, um ihnen gute Geister einzuhauchen." [18] Moduco präzisiert: "Mir erschien ein gewisses unsichtbar Ding im Traum, das einem Mann ähnelte, und mich deuchte, ich schliefe, und schlief doch nicht, und mich deuchte daß es einer aus Trivigniano sei [...]." Und seit seinem Berufungserlebnis ist Battista Moduco 22 oder 23 Jahre Benandante gewesen.[19] Zum Zeitpunkt des Verhörs gehörte er der Kompanie der Benandanti jedoch bereits seit mehr als acht Jahren nicht mehr an.
Carlo Ginzburg führt aus, daß die Initiation der Benandanti in einem genau festgelegten Lebensabschnitt stattfinde, ungefähr bei Erreichen des Mannesalters. [20]
Bei Betrachtung der von Ginzburg angeführten Daten, möchte ich dem nicht ganz folgen. Der Benandante Maduco ist bei seiner Berufung 20 Jahre alt, der Benandante Gasparutto 28 und der 18 Jahre alte Gasparo kann in seinem Verhör vom 17.3.1606 ebenfalls schon über diesbezügliche Erfahrungen berichten.
Es scheint also eine gewisse Spannbreite für den Berufungszeitpunkt gegeben zu haben.
Der Geist wird also aus dem Körper entführt, so zumindest der Eindruck der Betroffenen. "Man macht es nicht anders, als daß der Geist aus dem Leib fährt und fortgeht." (Battista Moduco) [21] "[...] bin ich zu der Zeit im Traum durch Wälder, Wiesen, Felder gegangen, um Tiere zu weiden, und hinweg über Dornen." (Menichino della Nota, Ochsenhirte aus Latisena) [22] Carlo Ginzburg spricht von einem Verfallen in einen geheimnisvollen Tiefschlaf, "bevölkert von Figuren und Ereignissen, die sich mit ganz geringen Abweichungen über Jahre hinweg wiederholen sollten." [23]
Finden die Entführungen oder Ausfahrten also nur im Geiste statt? - Nein, denn wie beim modernen Besucher-Phänomen bleiben physikalische Spuren zurück. Am 29.4.1634 kann Giovanni Sion aus Cividale dem Inquisitor eine Narbe zeigen, die die Realität der "diabolischen Treffen" belegen kann, an denen er teilgenommen hat: "Und dies hier wurde mir vom Teufel in Gestalt meines Gefährten auf dem Ball mit einem drei Ellen langen Eisenstempel ganz ohne Schmerz angebracht." Es handelt sich um eine runde Narbe am rechten Oberschenkel. [24]
Nicht nur Männer, sondern auch Frauen waren betroffen. Das Besucher-Phänomen konnte sich auch über mehrere Generationen hinweg in einer Familie "vererben", wie die Aussage von Maria Panzona am 28.2.1619 belegt: "Alle diese Dinge, einschließlich des Unterschiedes, der zwischen Benandanti und Hexern besteht, hat sie erfahren von ihrem Taufpaten, Vincenzo dal Bosco del Merlo, auch er Benandante, wie übrigens auch schon sein Vater." [25]
In dem Vorwort seines Buches aus dem Jahr 1965 geht Carlo Ginzburg bereits von einer zweifellos bestehenden Verbindung zwischen Benandanti und Schamanen aus. [26] Eine Ansicht, die er im Vorwort von 1980 wiederholt und die von Mircea Eliade bereits bestätigt worden sei. [27] Auf einen Aspekt der Berufung von Schamanen, zufällig (?) in einem Buch von Mircea Eliade entdeckt, werde ich gleich eingehen.
Das Zeichen der ungewöhnlichen Geburt
Im Jahr 1951 veröffentlichte Prof. Mircea Eliade ein bis heute vielzitiertes Buch über den Schamanismus. Der Schamanismus, ob erblich oder spontan, sei immer eine Gabe der Götter oder Geister. Unter einem bestimmten Gesichtspunkt sei die Erblichkeit überhaupt nur eine scheinbare. [28]
In der Tat, die Schamanenkandidaten werden offensichtlich einzeln von den Göttern oder Geistern vorausbestimmt. Dabei konnten sie auch eine Familie über mehrere Generationen begleiten.
Mircea Eliade schildert die Berufung eines Schamanen der Jurak-Samojeden folgendermaßen:
"Bei den Jurak-Samojeden ist der künftige Schamane von Geburt an bekannt: die Kinder nämlich, welche mit ihrem >Hemd< auf die Welt kommen, sind dazu bestimmt Schamanen zu werden (die ihr >Hemd< nur über den Kopf haben, werden ganz kleine Schamanen). Gegen die Reifezeit zu beginnt der Kandidat Visionen zu haben, singt im Schlaf, wandelt gern in der Einsamkeit herum usw. Nach dieser Inkubationszeit schließt er sich einem alten Schamanen an, um seine Unterweisung zu empfangen." [29]
Die besonderen Kräfte und Fähigkeiten erlangt ein Schamane der Jurak-Samojeden demnach durch individuelle Bestimmung der Götter oder Hilfsgeister und besondere Geburt, die Kenntnisse der Mythen und Riten seines Volkes aber durch Vermittlung eines Lehrers.
Die Verbindung zwischen Benandanti und Schamanen zieht Carlo Ginzburg ganz zu Recht, denn auch die späteren Benandanti werden durch besondere Geburt gekennzeichnet. Und auch hier finden wir dieselbe Erscheinung:
"Die Anhänger dieser Sekte (die, wie man noch deutlicher sehen wird, in ganz Friaul, besonders im östlichen Teil, verstreut sind) verbindet vor allem ein gemeinsames Element: mit dem Hemd, das heißt in die Fruchtblase eingehüllt, geboren worden zu sein." [30]
Die Geburt mit dem "Hemdchen" ist geradezu Dreh- und Angelpunkt des ganzen Phänomens "Benandanti".
Die dritte kulturgeschichtliche Erscheinung, die mit einer besonderen Geburt in Zusammenhang steht und einen individuellen "Vorzug" darstellt, ist die Fylgia.
Jakob Grimm schreibt im Jahr 1835: "Das volk hält für glückskinder die um ihr häuptlein eine haut gewunden mit auf die welt bringen." [31]
Diese Haut heiße Glückshaube, Wehmutterhäublein oder Kinderpelglin. Den Isländern aber führe sie den Namen Fylgia. Ein Schutzgeist habe in ihr seinen Sitz. Dieser werde Fylgia genannt, weil er dem Menschen folge, manchmal aber auch forynja (der ihm vorausgeht). [32]
Volkskundler Grimm spürte dem Phänomen in verschiedenen Ländern nach: "[...] den Serben heißt die haube koschulitza, hemdlein, und ein mit ihr geborenes kind vidovit: es geht zu den Vilen und weiß mehr als andre leute. in Holland sagt man >met den helm geboren zin<, solche kinder haben die gabe gespenster zu sehen." [33]
Elard Hugo Meyer hat sich in seiner Deutschen Volkskunde 1898 und in seiner Mythologie der Germanen 1903 mit der "Glückshaube" befaßt.
Er leitet die Hamingja, das Gegenstück der Fylgia, von "Ham" ab, "der zarten Glückshaube des Neugeborenen, die für ihren Sitz galt." [34] Bis in die Neuzeit hinein ist die Glückshaube in Westeuropa mit Brauchtum und Aberglauben eng verbunden, wie auch ein Blick in das von Dr. Ulrike Müler-Kaspar kürzlich herausgegebene Handbuch des Aberglaubens zeigt. [35]
Schluß
Ich habe in diesem Beitrag drei kulturgeschichtliche Phänomene vorgestellt, die mit dem modernen Besucher-Phänomen eng verwandt zu sein scheinen. Die Schamanen bestimmter Völker, Menschen, denen eine Fylgia zugeordnet ist und Benandanti: Sie alle sind erkennbar an der besonderen Geburt in der Embryonalhülle. Wie sieht dies bei den heute vom Besucher-Phänomen Betroffenen aus? Werden auch sie bereits vor der Geburt von einer außerirdischen Intelligenz beeinflußt, von dem kulturgeschichtlichen - uralten- Faktor X?
Erforscherinnen und Erforscher des Besucher-Phänomens sind aufgerufen, diese Frage zu klären. Interessant wäre es auch, von Medizinern in der Leserschaft zu erfahren, ob die Geburt in der Embryonalhülle tatsächlich eine solch außergewöhnliche Erscheinung darstellt. Zumindest in Bezug auf die Benandanti haben wir ausreichende Dokumente, die eine Häufung des Phänomens in einer bestimmten Region (Friaul/Norditalien) belegen. Wer also steckt hinter dem Faktor X?
Anmerkungen:
[1] vgl. Golther, 98
[2] vgl. Döbler, 139
vgl. Frankenberg, 136
vgl. Golther, 100
vgl. Herder Lexikon, 60
vgl. Holzapfel, 138
vgl. Schülerduden, 142
[3] vgl. Meyer, E. H., Mythologie, 262 u. 264
[4] Meyer, R. M., 80
[5] vgl. Golther, 98
[6] vgl. Bellinger, 148
vgl. Golther, 98
vgl. Grimm, 729
vgl. Holzapfel, 138
vgl. Meyer, E. H., Mythologie, 264
[7] vgl. Grimm, 729
[8] vgl. Benzin/Rattmann
[9] Meyer, E. H., Mythologie, 265
[10] vgl. Frankenberg, 136
[11] vgl. Frankenberg, 136
[12] vgl. Bellinger, 148
vgl. Golther, 98
vgl. Meyer, R. M., 79
[13] vgl. Herder Lexikon, 60
vgl. Meyer, R. M., 79
[14] Golther, 100
[15] Meyer, R. M., 80
[16] vgl. Ginzburg, 24-25
[17] zit. bei Ginzburg, 25
[18] zit. bei Ginzburg, 31
[19] vgl. Ginzburg, 31
[20] vgl. Ginzburg, 35
[21] zit. bei Ginzburg, 25
[22] zit. bei Ginzburg, 102
[23] Ginzburg, 86
[24] zit. bei Ginzburg, 139
[25] Ginzburg, 132
[26] vgl. Ginzburg, 15
[27] vgl. Ginzburg, 9
[28] vgl. Eliade, 24
[29] Eliade, 25
[30] Ginzburg, 34
[31] Grimm, 728
[32] vgl. Grimm, 728-729
[33] Grimm, 728, FN 1
[34] vgl. Meyer, E. H., Volkskunde, 103
Meyer, E. H., Mythologie, 262
[35] vgl. Müller-Kaspar (Hrsg.), 296-297
Literatur:
Bellinger, Gerhard J. [1989]
Lexikon der Mythologie, Augsburg: Bechtermünz, 1996.
Benzin, Nicolas und Ronald R. Rattmann, "Abductions Past and Present", in: Ancient Skies 23;3 (July/August 1996), USA-Highland Park: Ancient Astronaut Society, S. 3
Döbler, Hannsferdinand [1975]
Die Germanen: Legende und Wirklichkeit von A-Z - Ein Lexikon zur europäischen Frühgeschichte, Bindlach: Gondrom, 1992.
Eliade, Mircea [1951]
Schamanismus und archaische Ekstasetechnik, 9. Aufl., Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1997.
Frankenberg, Gisela von
Kulturvergleichendes Lexikon: Von Abendland bis Zweisonnen-System, Bonn: Gisela Meussling, 1985.
Ginzburg, Carlo [1966]
Die Benandanti: Feldkulte und Hexenwesen im 16. Und 17. Jahrhundert, Hamburg: Europäische Verlagsanstalt, 1993.
Golther, Wolfgang [1895?]
Handbuch der germanischen Mythologie, Essen: Athenaion, o.J.
Grimm, Jakob [1835]
Deutsche Mythologie: II. Band, Nachdr. d. 4. Aufl. Berlin 1875-78, Wiesbaden: Drei Lilien Verlag, 1992.
Herder Lexikon: Germanische und keltische Mythologie, Freiburg; Basel; Wien: Herder, 1993.
Holzapfel, Otto
Lexikon der abendländischen Mythologie, Freiburg; Basel; Wien: Herder, 1993.
Meyer, Elard Hugo
Deutsche Volkskunde, Straßburg: Karl F. Trübner, 1898.
Meyer, Elard Hugo [1903]
Mythologie der Germanen, Essen: Athenaion, o.J.
Meyer, Richard M. [1909?]
Altgermanische Religionsgeschichte, Essen: Athenaion, o.J.
Müller-Kaspar, Ulrike (Hrsg.)
Handbuch des Aberglaubens: Band 1, Wien: Tosa Verlag, 1996.
Schülerduden: Die Religionen, Mannheim; Wien; Zürich: Bibliographisches Institut, 1980.
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