von Dieter Vogl


"Ich weiß nicht, ob Menschen eines Tages auf anderen Planeten landen werden, um dort Stationen zu besetzen oder gar zu besiedeln. Ich würde es für sehr unvernünftig halten und keinesfalls für erforderlich, wenn es gelingt, unseren an sich doch sehr schönen Planeten wieder in einen Zustand zu versetzen, in dem man gerne auf ihm lebt." Aus einem Brief von Professor Dr. K. Bonhoeffer

Dieser Satz wurde von einem Mann geschrieben, dem die Sorge um unseren Planeten aus der Seele spricht. Einem Mann, der trotz besorgniserregender Weltlage doch noch genügend Hoffnung hat, dass sich vielleicht etwas am derzeitigen Zustand unserer Erde zum Guten ändern lässt. Aber auch Herr Bonhoeffer kann nicht an den gegebenen Zuständen rütteln. Somit bleibt aller Fortschritt, ob er nun gut oder schlecht ist, weiterhin in den Händen der Wissenschaft.

Die große Maschinerie

Der Mensch hat seine Nase in den Weltraum gesteckt und niemals wird er sie wieder aus ihm zurückziehen. Die Hoffnung, dass die Gelder, welche in der Raumfahrt verwendet werden, an anderer Stelle besser eingesetzt werden würden, ist allerdings sehr naiv gedacht. Alle Menschen, die dieser Meinung sind, sehen den gegebenen Tatsachen nicht ins Auge. Sie erkennen nicht, welch große Maschinerie mittlerweile mit der Raumfahrt verbunden ist und sie schon alleine dadurch zum täglichen Leben gehört. Selbst die größten Idealisten können den berechtigten Interessen der Industrie nichts handfestes entgegensetzen und neben den vorhandenen kommerziellen Gedanken hat uns bis heute die Raumfahrt in vielen Bereichen einen Wissensaufschwung beschert, der ohne sie wohl niemals in diesem Umfang stattgefunden hätte.

Betrachten wir uns die großen Aufwendungen nüchtern, erscheint diese Arbeit oberflächlich gesehen zunächst einmal nutzlos. Eine Vielzahl nennenswerter Argumente spricht sich daher auch gegen die Raumfahrt aus. Es ist jedoch festzuhalten, dass es auch Gründe gibt, die für eine intensive Erforschung des Weltalls eintreten.

Pro- und Contrahaltung

Wenn wir heute von Raumfahrt sprechen, werden in erster Linie Begründungen gesucht, die eine Pro- und Contrahaltung rechtfertigen. Nur sehr wenige denken noch darüber nach, wissen es nicht oder verschweigen es ganz bewußt, dass die anfängliche Prestigeraumfahrt der Nationen und ihrer Militärs, zur reinen Nutzraumfahrt avancierte. Aber beginnen wir von vorne: Beginnen wir mit Jules Verne, unserem allseits bekannten französischen Schriftsteller, der als erster über technische Utopien und halbwissenschaftliche Abenteuer Bücher geschrieben hat. Er nahm in seinen Zukunftsromanen vorweg, was im 20. Jahrhundert geschehen könnte und träumte in seinen Büchern schon damals von einer anderen und vor allem einer besseren Welt. Seine oftmals belächelten Vorstellungen blieben, wie wir heute wissen, keine Träume und seine verspotteten Ideen entpuppten sich als weitblickende Geschichten. Allesamt wurden sie zur Realität.

Nach dem Tod von Jules Verne dauerte es nur 63 Jahre und sein Roman, in dem er die Reise zum Mond so plastisch beschrieb, wurde zur Wirklichkeit. 1969 hat der Amerikaner Neil Armstrong zum erstenmal in der Geschichte der Menschheit Mondboden betreten.

Die Brüder Wright

Angefangen hat alles damit, dass zwei Brüder eine Vision vom Fliegen hatten - und auch ihre Ziele konnten sie in die Tat umsetzen. Dayton und Wilbur Wright bauten das erste flugtüchtige Motorflugzeug mit dem auch der erste motorisierte Flug in der Geschichte der Menschheit gelang. Die Fluglänge betrug damals 53 Meter und die gesamte Flugdauer winzige 12 Sekunden. Diese Zahlen sind für heutige Verhältnisse unbedeutend, doch war der erste Flug und die weiteren Erfolge des Brüderpaares für die gesamte Geschichte der Fliegerei bahnbrechend.

Heute sind wir bei der wiederverwendbaren Raumfähre angelangt, die von den Amerikanern entwickelt wurde und auch Europäer und Russen arbeiten an gleichartigen Projekten. Die Raumstation, die von führenden Fachleuten für vollkommen unmöglich gehalten wurde und über die Wernher von Braun schon 1952 sagte, dass sie in den Bereich der Realität gerückt ist, lässt das All zum Lebensraum für den Menschen werden. Kleinere und größere Raumstationen haben Amerikaner und Russen schon im Orbit gehabt und auch Wernher von Brauns Prognose bewahrheitete sich vollends.

Zwischen dem Flug der Brüder Wright und dem Erstflug des Space-Shuttle liegen knappe 80 Jahre der Entwicklung und bedenkt man die kurze Zeitspanne, in der Erfahrung gesammelt werden konnte, muss zugegeben werden, dass die Raumfahrt, von wenigen Rückschlägen einmal abgesehen, bis heute ein einziger Höhenflug war. Die augenscheinlichen Erfolge gaben den Idealisten unter den Fachleuten recht und W. v. Braun war ein Mann mit Weitblick. Seine Voraussagen waren keine Spekulationen, sondern sie enthielten, zum Ärger der ewig negativ denkenden Besserwisser, lediglich die exakten Resultate des theoretischen Durchdenkens, welche durch die Praxis beweisbar wurden.

Ewige Antagonisten

Nicht jeder dachte damals so wie Herr v. Braun und sogar die Mehrzahl der Fachleute war gegen ihn eingestellt. Im Buch "Weltraumfahrt" von W. Büdeler wird der britische Wissenschaftler und Raketenfachmann A. V. Cleaver zitiert, der zu diesem Thema eine vorausschauende Entwicklungsprognose für die Raumfahrt erstellte und damit für W. v. Braun eintrat. "Im Jahre 1953 meinte er, dass mit dem ersten künstlichen Satelliten 1965 zu rechnen sei. Mit der ersten bemannten Raumflug 1975 und mit dem ersten bemannten Mondlandung 1980 oder 1990. Flüge zu anderen Planeten sagte er für das Jahr 1995 voraus."

Die Raumfahrt beginnt

Sputnik 1, der erste künstliche Satellit mit einer Masse von 83,6 kg, wurde am 4.10.1957 von der damaligen UdSSR in den erdnahen Raum geschossen und blieb dort in einer vorberechneten Umlaufbahn. Der russische Begleiter erhielt 1958 amerikanische Gesellschaft von Explorer 1. Der russische Sputnik und der amerikanische Forscher haben die ganze Wissenschaft Lügen gestraft und man erkennt deutlich, wie sehr sich doch die Fachwelt schon zu diesem frühen Zeitpunkt mit irgendwelchen kalkulierten Prognosen irrte.

Es lässt sich aber an den Anfängen der Raumfahrt noch etwas wichtiges erkennen: Wenn es auch den Anschein hat, dass dieser Aspekt unwichtig ist, ist die Erkenntnis, dass die Großmächte ein Wettrennen um die Vorherrschaft im All einleiteten, für uns von allergrößter Bedeutung, weil sie zur größten Triebfeder in Sachen Weltraumfahrt wurde. Jeder der beiden ideologischen Gegner wollte der erste im All sein und dabei seiner Ansicht zum Sieg verhelfen. Das Rennen hat bisher keiner gewonnen und das, obwohl mittlerweile der Kapitalismus über den Kommunismus vollends triumphierte. Weiterhin ist der Wettlauf um das All voll im Gange und keine Partei kann von gravierenden Vorteilen auf diesem Gebiet sprechen.

Mittlerweile haben sich auch andere Staaten an dem kostenaufwendigen Wettrennen der Nationen beteiligt und selbst solche Länder wollen ein Stück vom Kuchen haben, die es sich wegen größerer Probleme gar nicht leisten könnten. China griff in den Kampf ein und Indien folgte postwendend. Europa hinkte lange hinterher und stellte dann auf vielen Gebieten die anderen in den Schatten. Heute nimmt Europa den dritten Platz der raumfahrenden Nationen ein. Rakete für Rakete wurde in eine Erdumlaufbahn geschossen und sie setzten eine Vielzahl von Satelliten aus, die alle ihre Aufgabe zur vollen Zufriedenheit ihrer Erbauer erfüllten.

Satelliten der Trios - und Nimbusreihe dienten zur Erforschung und besseren Auswertung des Wetters. Andere künstliche Trabanten, beispielsweise die der OAO- und OSO Baureihe, wurden zu astronomischen Beobachtungen und zur genauen Untersuchung der Erde eingesetzt. Kartographen, Geologen und viele andere Wissenschaftler konnten sich ihre Erkenntnisse von den tatsächlichen Zusammenhängen auf der Erde durch diese "unnützen Dinger" immer mehr erweitern und viele Sachverhalte, wie z. B. das Ozonloch oder die zunehmende Umweltverschmutzung und ihre globalen Auswirkungen, obwohl auch die Raketenstarts dazu beitragen, kennen wir nur durch sie.

Zur Nachrichtenübermittlung wurden ebenfalls eine Reihe von Satelliten in den erdnahen Raum befördert und Telstar, Relay und Syncom taten lange Zeit ihren sinnvollen Dienst für die Menschheit. Sie wurden bereits alle durch Nachfolgermodelle abgelöst, die heute ebenfalls mit hoher Präzision ihren Dienst verrichten. In diesen Bereichen des täglichen Lebens wirft erfreulicherweise die Raumfahrt großen Gewinn ab und selbst der größte Kritiker muss die erzielten Erfolge und das erworbene Wissen neidlos anerkennen, wenn es darum geht, sich einzugestehen, wie sicher z. B. durch die Raumfahrt und die damit verbundenen Techniken der Ortsbestimmung, die Seefahrt geworden ist.

Mit der Raumfahrt ging es immer schneller aufwärts und das, obwohl sie enorme Summen verschlang. Für einen Außenstehenden sind diese Gelder sinnlose Verschwendung und er sieht nur, dass es bei jedem Raketenstart wortwörtlich in Schall und Rauch aufgeht. Mangels gezielter Aufklärung hat er keinen Überblick über die gesamten Auswirkungen der Raumfahrt und ist auf Aussagen angewiesen, die ihm nur ein kleines Spektrum der ganzen Wahrheit eröffnen.

Die Raumfahrt verschlingt aber nachweislich nicht nur Geld, sondern sie bringt es auch wieder mit Rendite zurück und darum investieren immer noch weitsichtige Männer in scheinbar sinnlose Projekte. Der französische Satellit Telcom One ist beispielsweise als reiner Nachrichtensatellit konzipiert worden und kostete ca. 80 Millionen Mark. Bei einer Lebensdauer von sieben Jahren erscheint dieser Betrag viel zu hoch und in keinem Verhältnis zu dem zu stehen, was mit diesem Geld auf der Erde bewegt werden könnte. Es stellt sich bei genauem Studium der Verhältnisse jedoch schnell heraus, dass diese Annahme ein sehr großer Irrtum ist. Seine 2000 Sprech- und vier Fernsehkanäle haben die entstandenen Entwicklungs- und Startkosten schnell in einen ansehnlichen Gewinn umgewandelt, der die Erbauer dazu bewog einen Nachfolger zu konstruieren.

Telcom II war gegenüber seinem Vorgänger erheblich teurer und trotzdem sehen die Investoren gelassen in die Zukunft, weil auch dieser Satellit alle Voraussetzungen erfüllt, ein großer Erfolg zu werden. Mit ihm können zur gleichen Zeit 9000 Telefongespräche geführt werden und zudem bieten sieben Fernsehkanäle die Möglichkeit Sendungen ohne große Zeitverzögerung zu übertragen. Er hat außerdem Kanäle für Videokonferenzen frei und kann Digitalsignale übertragen, die es den Interessenten ermöglichen, auf Datenbanken in aller Welt zuzugreifen. Die kostenpflichtige Benutzung des Satelliten hat die Frage nach den Kosten verstummen lassen und die schnelle Amortisierung hat den Weg für neue Projekte schnell geebnet.

Die stetige Zunahme des Wissens und die Tatsache, dass bereits die Möglichkeit besteht, defekte Satelliten wieder einzufangen und im Orbit oder auf der Erde einer Reparatur zu unterziehen, haben das Geschäft mit den Nutzlasten regelrecht aufblühen lassen. Aus dieser Sicht betrachtet, tragen sich die Raketensysteme fast von selbst und nur noch in der bemannten Raumfahrt müssen die Regierungen die finanzielle Unterstützung zusichern. Das liegt zum einen daran, das lebenserhaltende Systeme für Menschen wesentlich aufwendiger und somit teurer sind und sich zum anderen noch kein effektiver Nutzen abzeichnet. Aber auch dieser Zustand wird sich in absehbarer zeit ändern - spätestens dann, wenn die freie Wirtschaft grünes Licht erhält und eigene Programme starten darf.

Das Augenmerk der unbemannten Raumfahrt richtete sich bei staatlichen Stellen in erster Linie auf militärische Ziele, unsere Nachbarplaneten. Insbesondere wurde unter ihrer Einflussnahme an der Erforschung des Mondes gearbeitet. Die ehemalige UdSSR tat dies mit ihren unbemannten Raumsonden der Luna - bzw. Zondreihe. Die USA hielt dabei, wie es die UdSSR auch tat, schon 1964 und 1965 mit ihrem Ranger - Mondprogramm nach geeigneten Landeflächen für ihr späteres Apollo-Programm Ausschau. Die Sorvejor- und Luna-Orbiter-Sonden setzten die Suche fort und fotografierten dabei den ganzen Mond. Auf diese Weise wurde auch die erdabgewandte Seite des Mondes kartographiert und genau vermessen.

Hier beginnt der eigentliche Griff in den Kosmos. Die amerikanische Marinerreihe und die russische Marsreihe konnten die Erkenntnisse vom Mars erweitern helfen, indem sie seine Oberfläche fotografierten. 1973 streckten die Amerikaner mit der Pioneerreihe die Hand nach dem Jupiter aus und gleichzeitig wurde von Russen und Amerikanern die Venus erforscht. Nach mehreren Misserfolgen gelang ihnen mit den Sputnik -, Venera - und Marinersatelliten die weiche Landung auf diesem Himmelskörper. Selbst der Merkur wurde bereits durch Sonden erforscht. Die ersten Ergebnisse erzielte dabei 1974 Mariner X.

Zur Zeit ist eine amerikanische Raumsonde dabei, unser Sonnensystem zu verlassen. Pioneer F, die unter anderem den Jupiter und Saturn fotografierte und die Bilder zur Erde funkte, führt eine Botschaft mit sich, die fremde Intelligenzen auf die Existenz des Menschen aufmerksam machen soll. Ob diese Sonde jemals auf eine intelligente Lebensform oder hoch entwickelte Zivilisation stoßen wird, steht jedoch im wahrsten Sinne des Wortes in den Sternen.

Es ist jedoch vollkommen zweitrangig, ob dieser Umstand eintreten wird und diese Bestrebung letztlich wirklich Erfolg hat, bedenkt man die Tatsache, dass sich verantwortliche Wissenschaftler Gedanken darüber machen und die Möglichkeit in Erwägung ziehen, im All auf eine andere Lebensform zu stoßen.

Die Weltraumfahrt hat also zweifelsfrei in der Vergangenheit recht große Erfolge gefeiert und auch wir Prä-Astronautiker profitieren von diesen Erfolgen, denn der bisher zurückgelegte Weg der Menschheit ins All zeigt, dass durchaus machbar ist, was lange Zeit – und vielfach auch heute noch – selbst in Fachkreisen für unmöglich gehalten wurde. Und letztlich wird die Raumfahrt den Beweis antreten, dass Science Fiction, zumindest was heute noch dafür gehalten wird, in Zukunft zur Realität avanciert. Und spätestens dann, wenn jener Schritt erreicht wird, dass der Mensch die Grenzen unseres Sonnensystems verlassen kann, wird sich zeigen, ob die Erde in ihrer Vorzeit Besuch von anderen Welten erhielt und diese Besucher womöglich die Schöpfer der Menschheit waren. Ich, wie viele andere Prä-Astronautiker, bin jedenfalls der tiefen Überzeugung, dass der Vater der Prä-Astronautik – Erich von Däniken - recht hat, wenn er in seinem gleichnamigen Buch postuliert, dass wir alle Kinder der Götter sind. Jener Götter, die lange vor der Menschheit schon existierten und schon eine intergalaktische Raumfahrt betrieben, als die Erde noch nicht einmal ihre Geburtswehen hinter sich gebracht hatte.


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