Die Vertreter der Paläo-SETI-Hypothese
Ein Interview mit Gisela Ermel
von Nicolas Benzin
Die Fragen beruhen auf einem von Nicolas Benzin im Rahmen meiner Studie über die Entwicklung des Weltbildes von Vertreterinnen und Vertretern der Paläo-SETI-Hypothese (1995/1996) erstellten Fragebogens. Die bisher unveröffentlichten Antworten teilte Gisela Ermel freundlicherweise Herrn Benzin in einem Brief mit.
NB: Verraten Sie uns etwas über Ihren Schulabschluss und den beruflichen Werdegang?
GE: Mittlere Reife, Musikstudium, staatlich geprüfte Privatmusiklehrerin.
NB: Wie wurden Sie auf die Paläo-SETI-Hypothese (PSH) aufmerksam? Standen Sie dem zunächst kritisch gegenüber oder fanden Sie dies sofort überzeugend bzw. stehen Sie den Aussagen der Prä-Astronautik (PA) noch heute kritisch gegenüber?
GE: Auf die Prä-Astronautik aufmerksam wurde ich durch Mundpropaganda: Mein Cousin erzählte im Freundeskreis von einem Däniken-Buch, das er gelesen habe. Meine Reaktion: Kauf dieses Buches bereits am nächsten Tag, dann Beschaffung sämtlicher darin erwähnter (zugänglicher) Quellen.
Den Aussagen der Prä-Astronautik stand ich sofort positiv gegenüber (schließlich brachte sie alle meine Interessen mit einem Schlag unter einen Hut: Archäologie, Mythologie, Raumfahrt, Astronomie und Science Fiction!). Aber: Ich wollte nicht gegebene Meinungen einfach hinnehmen und fing augenblicklich selbst an, zu forschen und eigene Antworten zu suchen.
NB: Inwieweit hat sich ihr Weltbild unter dem Einfluss der PSH verändert?
GE: Mein Weltbild hat sich unter dem Einfluss der PSH insofern nicht verändert, da ich schon immer eine Neigung zu den verrücktesten und originellsten Erklärungen für die noch ungelösten Rätsel der Welt hatte.
NB: Welcher Religionsgemeinschaft gehören oder gehörten Sie an? Hat sich die Beziehung zu dieser Gemeinschaft durch die PSH verändert?
GE: Ich gehöre und gehörte nie einer Religionsgemeinschaft an. Meine Meinung war immer: Wie sollte man sich einer Religionsgemeinschaft anschließen, ohne zuvor alle zu kennen?
Meine heutige Meinung zu Gläubigen (egal welcher Konfession oder Religion): naive Schafe, denen man alles vormachen kann.
NB: Hat sich Ihre Weltanschauung im Laufe der Beschäftigung mit der PSH weiter gewandelt - wenn ja, durch welchen Autor? Sehen Sie die PSH selbst heute noch genauso wie am Anfang Ihrer Beschäftigung damit?
GE: Meine Weltanschauung hat sich durch die PSH nicht gewandelt, da ich mich bisher noch nie auf eine festgelegt hatte. Um einmal zu einer eigenen Weltanschauung zu kommen, forsche ich - und die PSH bietet bisher die besten möglichen Antworten auf die noch zu lösenden Rätsel der Welt.
Die PSH sehe ich nicht mehr ganz so wie am Anfang meiner Beschäftigung mit ihr: Ich merke, wie sich die Lösungsmöglichkeiten rein technischer Art erweitern auf solche mehr - ich weiß noch kein Wort dafür: Ansätze dafür sehe ich in der Mimikry-Hypothese von Dr. Johannes Fiebag und in neuerdings logischen Erklärungen der modernen Quantenphysik für Frühzeitphänomene, die ich bisher rein technisch gedeutet hätte.
NB: Hatten Sie durch die PSH Probleme mit Verwandten, Freunden, Schule, Arbeitsplatz? Fühlten Sie sich unverstanden?
GE: Durch die Beschäftigung mit der PSH hatte ich keine echten Probleme mit Mitmenschen: Ihr Unverständnis (= Unkenntnis), ihr Belächeln und für Verrückterklären meiner Ansichten spornt mich eher an zu einem: "Jetzt erst recht!"
NB: Glauben Sie durch die Beschäftigung mit der PSH mehr zu wissen als andere Menschen? Fühlen Sie sich unseren Wissenschaftlern überlegen?
GE: Ja, ich glaube durch die Beschäftigung mit der PSH mehr zu wissen als andere Menschen. Aber: das sehe ich rein als Ergebnis meines Fleißes an. Bei jedem Gebiet, mit dem ich mich fast rund um die Uhr intensiv beschäftige, würde ich mich automatisch informierter fühlen als andere, die sich weniger damit befassen.
Vor den etablierten Wissenschaftlern habe ich leider immer noch einen zu großen Respekt.
NB: Nennen Sie zehn PSH-Autoren in der Reihenfolge in der für Sie relevanten Bekanntheitsabfolge.
GE: von Däniken, Blumrich, Beier, Krassa, Fiebag, Dopatka, Sassoon/Dale, Kohlenberg, Kolosimo, Sitchin.
NB: Ist für Sie die PSH oder die Beschäftigung damit eine Wissenschaft, eine Forschung am Rande der Wissenschaft, ein Bereich der Esoterik, eine Ersatzreligion?
GE: Die Paläo-SETI-Forschung ist für mich Forschung wie jede andere auch.
NB: Wie stellen Sie sich die Zukunft der Paläo-SETI-Forschung vor?
GE: Zukunft der PSF? Interdisziplinärer! An den Schulen wieder wenigstens erwähnt. Schaffung einer Datei, zu der wirklich jeder Zugang hat - weltweit am besten.
NB: Interessieren Sie sich auch für die UFO-Forschung? Ist die PSF für Sie ein Teil der UFO-Forschung oder eher ein selbständiger Forschungszweig? Beschäftigen Sie sich auch mit esoterischen Themen und alternativem Bewusstsein?
GE: Ja. PSF und UFO-Forschung sind insofern nicht zu trennen, als dass sie Gemeinsamkeiten haben und man nicht wüsste, wo die Grenze zu ziehen wäre. Esoterik und alternatives Bewusstsein: Nein.
NB: Welchen Vereinen und Organisationen zu dieser Thematik gehören Sie an? Welche Zeitschriften haben Sie abonniert?
GE: Ancient Astronaut Society, Interessengemeinschaft Prä-Astronautik Essen e.V., Interessengemeinschaft Prä-Astronautik Nordhessen, Giordano-Bruno-Gesellschaft.
Zeitschriften: Ancient Skies, G.R.A.L., SETI, Talky, Magazin 2000, Discover, Magazin für Grenzwissenschaften, UFO-Report, UFO-Kurier, Deguforum.
N.B. Vielen Dank für die Informationen
Anm. der Redaktion: Gisela Ermel ist heute erfolgreiche Autorin mehrerer Bücher zur Paläo-SETI- und UFO-Forschung.
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