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Giordano Bruno Besprochen von Dr. Horst Friedrich |
Jochen Kirchhoff ist Philosoph, Autor zahlreicher Veröffentlichungen, und lehrt seit 1991 an der Humboldt-Universität Berlin. Ein Schwerpunkt seiner Vorlesungen, Seminare und Forschungstätigkeit ist die Grundlegung einer "anderen" Naturwissenschaft/Naturphilosophie. Mit anderen Worten; Er ist ein außerordentlich kompetenter Autor für eine Giordano-Bruno-Biographie!
In Kirchhoffs Sicht der Dinge (und nicht nur in seiner!) ist unsere zeitgenössische Schulnaturwissenschaft auf einen bedenklichen Abweg geraten. Ein Umdenken sei erforderlich, und dabei könne sehr hilfreich sein, dass wir uns wieder mehr mit Giordano Bruno und seiner Naturphilosophie beschäftigen.
Kirchhoff glaubt, dass es kein Zufall ist, dass unsere Schulnaturwissenschaft Bruno (auffällig geflissentlich) übersieht und ignoriert, oder ihn als vernachlässigbaren, irgendwie bizarren Charakter am Übergang von der Spätrenaissance zum Barockzeitalter darstellt. Eine allzu große Kluft gähnte ja nicht nur zwischen Brunos Naturphilosophie und den damaligen Kirchenlehren, sonder gähnt auch heute zwischen Bruno und unserer zeitgenössischen schulnaturwissenschaftlichen Weltsicht! Unsere universitäre "Scholastik" liebt es aber nun gar nicht, wenn auf ernstzunehmende (und potentiell womöglich ergiebigere) Alternativen zu ihr hingewiesen wird.
Einen Punkt vermisst man in dieser im übrigen exzellenten kleinen Bruno-Biographie. Kirchhoff betont zwar, dass Bruno (ganz im Sinne des alten hermetischen Weltbildes) das Universum als ein in allen seinen Teilen beseeltes, lebendes, gewaltiges Etwas mit Bewusstsein ansieht, und dass damit seine Weltsicht die Antithese des heutigen schulnaturwissenschaftlichen Weltbildes darstellt. Man hätte sich jedoch gewünscht, dass er auch die Affinität zwischen Bruno und den östlichen Weisheitslehren herausgestellt und kommentiert hätte.