Die blaue Paprika

Besprochen von Dieter Vogl


Mit dem Buch "Die blaue Paprika", das die Autorinnen Beatrix Tappeser, Alexandra Baier, Birgit Dette und Hanne Tügel in Gemeinschaftsarbeit verfassten, stellen sie die globale Nahrungsmittelproduktion auf den Prüfstand. Detailliert informierten sie über "die Hintergründe dieses Business. Die Autorinnen", von denen sich B. Tappeser, A. Baier und B. Dette am Öko-Institut mit den Fragen der Gentechnik beschäftigen, "spannen den Bogen von der Landwirtschaft, den Techniken der Weiterberarbeitung und dem Lebensmittelhandel, über nationale und internationale Entscheidungsgremien und Subventionierungen bis hin zur Ökologisierung der Landwirtschaft. Gespickt mit Beispielen heben sie vor allem hervor, was jeder einzelne tun kann, um umwelt-, mitwelt- und zukunftsschonend einzukaufen. Denn die Schritte auf dem Weg zur nachhaltigen Ernährung machen Spaß, sind nicht schwierig, für jeden möglich und nicht unbedingt teuer".

Die Autorinnen schildern recht sachlich die voranschreitende Globalisierung  der Nahrungsmittelproduktion, legen offen mit welchen Mitteln viele Nahrungsmittel technisch beeinflusst werden und entlarven schonungslos jene Gremien, die als heimliche Herrscher über jene Standards und Normen bestimmen, nach denen der Konsument im Supermarkt einkaufen muss.

Die Autorinnen zeigen auf, dass national wie international nur wenige ihre Finger im Spiel haben. Sie zeigen auf, dass das Lebensmittelangebot in unseren Supermärkten und damit die Vorsorgung der Menschen in den Ländern des Südens von internationalen Entscheidungsgremien abhängen. Diese steuern, so berichten es die Autorinnen durchaus glaubhaft in ihrem beachtlichen Buch, was wo angebaut und produziert wird, wer importieren darf oder exportieren muss und somit was letztlich in die Markthallen kommt. Dabei unterschlagen sie auch nicht das Faktum, dass die immer noch recht fragwürdige Gentechnik bei der Herstellung von Lebensmittel eine immer wichtigere Rolle spielt. Tatsache ist, und dies erkennen die Autorinnen recht genau, dass wir heute nicht mehr wissen, woher der Paprika kommt und wir eigentlich nicht mehr richtig nachvollziehen können, was bei uns auf den Tisch kommt.

Ein erfreulicher Aspekt des Buches ist es auch, dass die Autorinnen, wenn auch nur ansatzweise und für den Rezensenten in einem viel zu geringem Umfang, ebenfalls die ganz dunklen Seiten der Lebensmittelproduktion und der damit verbundenen Nahrungskette ansprechen. Der Hormon-Fleisch-Fall und der Thunfisch-Delphin-Fall sind zwar wichtige Beispiele in diesem Zusammenhang, aber auch die verheerenden Zustände bei den Tiertransporten innerhalb Europas und jene lebensverachtenden Gesetze, die im Zusammenhang mit der Hühnerhaltung oder der sogenannten Herodesprämie stehen,  hätten in einem solchen Buch unbedingt erwähnt werden müssen. Dies ist das einzige Manko von diesem überaus lesenswerten Buch. Ein Defizit allerdings, welches zu verschmerzen ist, denn der eigentliche Ansatzpunkt des Buches sind die politischen Ebenen, in denen jene Entscheidungen fallen, die darüber bestimmen was mit unseren Nahrungsmitteln alles passiert, bis sie letztlich in den Geschäften stehen.

Ein großes Anliegen der Autorinnen ist es ganz offensichtlich, mit ihrem Buch den Leser zum Nachdenken anzuregen. In diesem Sinne fordern sie mehr Transparenz bei der Deklaration der Lebensmittel und zeigen in diesem Zusammenhang leicht realisierbare Wege auf, wie die Verbraucher ihre Autonomie zurückgewinnen und eine zukunftsfähige Lebensmittelerzeugung fördern können.

Für jeden Interessierten, der wissen will was sich hinter den Begriffen General Agreement on Tariffs and Trade (GATT), der World Trade Organization (WTO), dem Codex Alimentarius Kommission (CAK), der World Health Organization (WHO) oder Food and Agriculture Organization (FAO) verbirgt und warum sich beispielsweise die Spirale Konsum-Armut-Ungleichheit-Umweltschäden immer schneller dreht, der sollte dieses Buch auf jeden Fall lesen.