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Die etwas andere Bibel von Dieter Vogl |
Mit ihrem Buch "Die etwas andere Bibel" haben sich die Verfasser, Gisela Klagemann und Juan Röser, zur langen Reihe jener exegetisch tätigen Autoren gesellt, welche bislang den undankbaren Versuch unternahmen, die Heilige Schrift aus einer vollkommen anderen Perspektive zu betrachten und sie auf der sich dadurch ergebenden Grundlage neu zu bewerten. Dass einige Rückschlüsse und die sich daraus ergebenden Neuinterpretationen der beiden Autoren dabei nicht immer sachlich nachvollziehbar sind und manchmal sogar aus theologischer, religionsgeschichtlicher und vor allem aus etymologischer und semantischer Sicht erheblich Mängel aufweisen, stört am durchweg positiven Gesamteindruck des Buches nicht. Ganz im Gegenteil, denn es sind gerade diese Mängel, die das Buch so besonders wertvoll machen, weil sie den Leser in erheblichem Maße zum Nachdenken über die Bibel anregen. Hätten die Verfasser diese Mängel kaschiert, wäre das Buch nichts wert, so aber stellen diese Mängel sogar eine echte Bereicherung dar.
Erfreulich an diesem Buch ist auch, dass die Autoren ihren Rückschlüssen und Interpretationen nicht den Mantel der Absolutheit überstülpen, sondern freimütig schon in ihrem Vorwort erklären, dass sich "nicht alles erklären und deuten" lässt. Besonders erfrischend ist dabei, was sie auch angenehm von ihren Vorgängern abhebt, dass sie unumwunden zugeben, dass einige ihrer Rückschlüsse "nicht immer den Punkt treffen".
Sicher ist jedoch bei allen Mängeln, was ein besonders positiver Aspekt des Buches ist, dass es in der Tat in der Lage ist "Denkanstöße in eine neue Richtung" zu geben, "die vielleicht auch einen neuen Weg bei der Geschichtsschreibung weisen könnte". Und es ist absolut richtig, wenn die Verfasser schon am Anfang des Buches folgerichtig konstatieren, dass sich ihre Thesen "nicht so einfach mit einer Handbewegung vom Tisch wischen" lassen.Ein nicht unbedeutender Pluspunkt des Buches ist es ebenfalls, dass die Verfasser die biblischen Mythen mit den griechischen sehr geschickt verbinden und dadurch historische Zeiten, die offenbar in der Heiligen Schrift verloren gegangen sind, "wieder sichtbar machen, um damit einen logischen Ablauf des Geschehens – wenigstens einigermaßen – wieder herzustellen."
Ohne jetzt auf die vielen und beachtenswerten Aspekte dieses großformatigen 247 Seiten umfassenden Werkes näher eingehen zu wollen: Fazit des Buches ist es offensichtlich, dass sich die Bibel, so wie es die Verfasser richtig feststellen, "als wahre Chronik, als Bericht tatsächlichen Geschehens erwiesen" hat. "Der historische Wahrheitsgehalt der Bibel sowie der griechischen Mythologie, ist nicht immer leicht erkennbar, nicht selten auch durch eigenartige Übersetzungen oder Interpretationen in manchen Teilen dieser Werke verursacht. Trotzdem lässt sich dieser Wahrheitsgehalt nicht in Frage stellen."
Abschließend ist über dieses Buch zu sagen, dass es wünschenswert wäre, dass es sowohl in der Fachwelt als auch beim interessierten Laien große Beachtung findet, denn zweifellos stellt es eines jener wichtigen Beiträge dar, die in den letzten Jahren in mutigen Verlagen erschienen und die aufgrund ihrer couragierten Neuinterpretation unstrittig zum besseren Verständnis der Bibel führten.
Autoren: G. Klagemann/J. Röser
Seiten: 248 / Großformat
Verlag: CTT
ISBN: 3-9806077-7-1