Die uralten Götter Europas

Besprochen von Dieter Vogl


Es ist abzusehen: Britta Verhagens neues Buch, welches bezeichnenderweise den Titel "Die uralten Götter Europas und ihr Fortleben bis heute" trägt, wird sowohl den Fachmann als auch den interessierten Laien begeistern, denn die Autorin ist offensichtlich bestrebt, den Leser bei dieser oftmals recht verwirrenden Thematik nicht in die Irre zu führen. Vertrauensvoll kann er sich den Darlegungen des kompetent geschriebenen Buches anschließen. Zumal selbst der ausgesprochene Skeptiker sehr schnell merkt, daß das Buch keinerlei unausgegorene Phantasien enthält, sondern die fundierten Aussagen der Autorin sogar recht deutlich erkennen lassen, daß sie nur das wiedergibt, "was sich bei ernsthafter Bemühung erkennen läßt".

Kurz und prägnant, aber dennoch äußerst detailliert, schildert sie im ersten Kapitel das Werden und den Weg der Europäer, denn, so die Autorin, "ehe von der Religion der frühen Zeiten gesprochen werden kann, muß eine gedrängte Übersicht über die Entwicklung ihrer Träger gegeben werden." Und dieser geschichtliche Abriß, bei dem sie sachlich versucht "wenigstens einiges Licht in das Halbdunkel der europäischen Urzeit zu bringen", gelingt ihr mit Bravour.

Kapitel für Kapitel entführt und erklärt uns die Autorin sehr anschaulich und qualifiziert eine längst vergessene Zeit, um schlußendlich mit dem siebten und letzten Kapitel, das den Titel "die Megalithreligion" trägt, ein echtes Glanzlicht zu setzen, indem sie ganz besonders versiert auf die "Herkunft und Verbreitung der Megalithkultur" eingeht. Dabei vertritt sie die Ansicht, was vom historischen Standpunkt zweifellos eine richtige Einschätzung der europäischen Vorzeit darstellt, daß "die Megalithkultur als eine der interessantesten und bedeutendsten Kulturen der Vorgeschichte überhaupt einer besonderen Darstellung bedarf." Und auch diese Darstellung gelingt ihr meisterhaft. Selbst unter dem Gesichtspunkt, was der Autorin durchaus bewußt ist, daß im Rahmen ihres Buches "nur ein Teil der Probleme", die mit dieser Thematik verbunden sind, "besprochen werden" können, zeichnet sie ein sehr anschauliches Bild von dieser Kultur, deren Hinterlassenschaften wir nicht nur "in Europa an fast allen Küsten des Atlantiks von Norwegen bis Spanien, hier und dort auch im Inland, vor allem in Frankreich, auf mehreren Mittelmeerinseln, in Syrien und Palästina, an der nordafrikanischen Küste und auf den Kanarischen Inseln, in Nord-, Mittel- und Südamerika, in veränderten Formen auch auf den Osterinseln, in Polynesien und sogar in Australien" finden.

Es gäbe noch sehr viel positives zu diesem gut lesbaren und mit viel Sachverstand geschriebenen Buch zu sagen, aber letztlich würde auch die wohlwollendste Buchbesprechung nicht dem gerecht werden, was die Autorin in ihrem Buch letztlich wirklich dem Leser über die früheste Kultur Europas zu sagen hat. Am Ende kann und muß man zum Ausdruck bringen, daß es die Autorin vollendet verstanden hat, einen großen Teil der offenen Fragen, die mit den uralten Göttern Europas im Zusammenhang stehen, wenigstens einigermaßen zu erhellen und vielfach sogar schlüssig zu beantworten. Insofern ist dieses Buch meines Erachtens eine der wichtigsten Abhandlungen über die europäische Kulturgeschichte. Nicht zuletzt auch deshalb, weil es fachübergreifend "die vorgeschichtliche Forschung der letzten Jahrzehnte" konkretisiert und, für jeden leicht verständlich, auf faszinierende Weise zusammenfaßt.

Autor: Britta Verhagen

Seiten: 333

Verlag: Grabert

ISBN: 3-87847-168-8