|
Erfundene Geschichte Buchbesprechung von Dieter Vogl |
Wer Uwe Toppers Buch "Die Grosse Aktion" kennt, wird etwas skeptisch an sein letztes Werk, das unter dem Titel "Erfundene Geschichte" bei Herbig erschienen ist, herangehen. Nicht zu Unrecht, denn auch in diesem Buch stellt er die Frage, ob unsere Zeitrechnung falsch ist und wir womöglich erst im Jahre 1702 leben. Europas Geschichte – so der Autor – ist über weite Strecken frei erfunden und wir sind eigentlich einer planmäßigen Fälschung aufgesessen, die in unserer Vergangenheit stattfand.
Es sei vorweg gesagt: Diese Thematik ist nicht neu! Sie wurde bereits von dem Kunsthistoriker Heribert Illig eingehend besprochen und in dessen vieldiskutiertem Buch "Das erfundene Mittelalter" äußerst detailliert ausgearbeitet. Darin streicht Illig, ebenso wie Topper, annähernd 300 Jahre aus unserer Chronologie. Illig spricht von der "größten Zeitfälschung der Geschichte" und Topper behauptet, "unsere Zeitrechnung ist falsch".
Alleine diese offensichtlichen Übereinstimmungen haben Topper, vor allem weil er lange nach Illig erschien, den Vorwurf eingebracht, sein Buch würde ein Plagiat darstellen. Und - zugegeben - im ersten Augenblick ist dieser Eindruck auch nicht unberechtigt, aber damit würde man Toppers Buch sicherlich zu unrecht mit einem schweren Vorwurf belegen, den es wahrlich nicht verdient hat. Denn auch wenn zwei dasselbe schreiben, ist es noch lange nicht das gleiche. Wobei dieser Vorwurf an Toppers Adresse schon alleine deshalb nicht haltbar ist, weil er Illig in ausreichendem Maß zitiert und der Verlag diesen obendrein schon im Schutzumschlag als Vorreiter und Wegbereiter dieser These würdigt. Außerdem und damit soll dieses leidige Thema beendet sein, stellt Topper einige Aspekte zur Diskussion, die neu sind. Und gerade deshalb erachte ich Toppers Buch als wertvolle Ergänzung zu Illigs überragendem Werk.
Beachtenswert sind dabei vor allem seine durchaus logischen und nachvollziehbaren "Vergleiche mit anderen Kulturvölkern". Dadurch zeigt er in diesem durchweg spannend geschriebenen Sachbuch, "wie die Konstruktion der christlichen Jahreszählung zustande kam". Und damit wird tatsächlich, was dieses Buch letztlich so anerkennenswert und attraktiv macht, "die aufregendste These der neuen Geschichtsforschung, Heribert Illigs Verkürzung des Mittelalters, in verständlicher Weise dargelegt und mit zahlreichen neuen Beweisen untermauert. Die daraus entstehende ungewohnte Vorstellung vom christlichen und islamischen Mittelalter bringt faszinierende Einblicke in innere Zusammenhänge, die zwar durch Philosophen wie Oswald Spengler schon vorbereitet worden waren, aber erst jetzt, mit dem Zusammenbruch des Chronologiesystems, ihren vollen Sinn erhalten."
Toppers Bücher, "Die Grosse Aktion" und "Erfundene Geschichte", sind, obwohl sie inhaltlich denselben Tenor haben, dennoch nicht zu vergleichen. Letzteres ist bei weitem fundierter. Es gibt wirkliche Denkanstöße und bietet letztlich auch den einen oder anderen bemerkenswerten Lösungsansatz. Zumindest aber deckt es historische Schwachstellen auf, die eine chronologische Umorientierung zweckmäßig erscheinen lassen.
Titel: "Erfundene Geschichte"
Autor: Uwe Topper
Verlag: Herbig
ISBN 3-7766-2085-4