Kam Odin-Wodan aus dem Osten?

Besprochen von Dieter Vogl


Der Glaube der Germanen liegt heute immer noch weitgehend im Dunklen und von der Religion der germanischen Vorzeit wissen wir so gut wie gar nichts.  Mit ihrem Buch "Kam Odin-Wodan aus dem Osten" geht die Religionsgeschichtlerin Britta Verhagen, von der auch die hervorragend geschriebenen Bücher "Die uralten Götter Europas" und "Götter am Morgenhimmel" verfasst wurden, vor allem den Fragen nach: Woher und wann ist der oberste Gott der Germanen, der in Skandinavien Odin beziehungsweise Oden, in Deutschland Wodan, Wotan, Wode, Wuote hieß, in den Norden gelangt? Kam er etwa mit einer Völkerwelle aus dem Osten? Etwa aus Südrussland? Gab eine solche Überschichtung den Anlass zu dem auch in der Edda mehrfach erwähnten Wanenkrieg gegen die Asen?

Fragen über Fragen und da immer noch die wissenschaftlich nachvollziehbaren Antworten darauf fehlen, ist es kein Wunder, wenn in der Fachwelt die Meinungen auseinander gehen. Nicht selten kann man sogar feststellen, dass historische Berichte ganz einfach nicht ernst genommen werden. Britta Verhagens nimmt die alten Überlieferungen ernst. Ja sie nimmt sie sogar beim Wort und dadurch ist sie letztlich auch in der Lage, zumindest einen Teil der immer noch fehlenden Antworten zu geben. In ihrem Buch zeigt sie beachtliche Lösungen auf. Und diese Lösungen sind aus vielerlei Gründen wichtig. Nicht zuletzt auch deshalb, weil die Mythen und die darin geschilderten Gottheiten der einzige Weg sind, dass der Mensch mehr über seine Vergangenheit in Erfahrung bringt.

Zweifellos ist es richtig, dass alle Teile dieses Buches viele Tatsachen enthalten und ebenso ist es richtig, dass gerade diese Tatsachen darauf hinweisen, "dass der Snorri-Bericht über die Herkunft Odins aus dem Donaugebiet es verdient hat, ernster genommen zu werden, als dies bisher geschehen ist." Britta Verhagens Buch ist ein Fingerzeig für die Wissenschaft und dieser zeigt, dass es die alten Mythen wert sind ganz exakt erforscht zu werden. Insbesondere dann, wenn wir mehr über den tatsächlichen Verlauf der germanischen Geschichte und vor allem über die Herkunft einer der rätselhaftesten Gestalten des germanischen Götterhimmels in Erfahrung bringen möchten. Britta Verhagens Buch, auch wenn man sich gelegentlich wünscht das sie das eine oder andere Thema mehr ausgearbeitet hätte, ist zudem der beste Beweis, dass auch Religionsgeschichte sowohl interessant als auch spannend sein kann Der wichtigste Aspekt an diesem Buch ist aber nach Ansicht des Rezensenten, dass durch solche Bücher geschichtliche und kulturelle Aspekte nicht in Vergessenheit geraten. Insofern kann das Buch nicht hoch genug bewertet werden und es ist zu wünschen, dass es von vielen Menschen gelesen wird.